{"id":1340,"date":"2019-02-19T17:47:11","date_gmt":"2019-02-19T15:47:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jmj-online.de\/?page_id=1340"},"modified":"2019-02-21T00:03:25","modified_gmt":"2019-02-20T22:03:25","slug":"kapitel-7-wiederaufrichtung-nach-dem-zweiten-weltkrieg","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.jmj-online.de\/?page_id=1340","title":{"rendered":"Kapitel 7: Wiederaufrichtung nach dem zweiten Weltkrieg"},"content":{"rendered":"<h2 class=\"wp-block-heading\">1946 \u2013 1959<\/h2> <p>Die amerikanischen Truppen hatten Oberkassel am 19. M\u00e4rz 1945 besetzt. F\u00fcr die Bev\u00f6lkerung galt es vordringlich, den Bedarf des t\u00e4glichen Lebens zu decken. Dies hie\u00df vor allem Lebensmittel heranzuschaffen, denn es gab amtlich 1945 f\u00fcr jeden Deutschen nur eine Zuteilung von Durchschnittlich 1.150 Kalorien pro Tag. Vorg\u00e4rten wurden zu Kleing\u00e4rten umfunktioniert, um Kartoffeln und Gem\u00fcse anzubauen. Der Schwarzmarkthandel griff bald um sich und war eine Form der Besorgung der lebensnotwendigen Dinge. Die Volksschulen \u00f6ffneten erst am 11. September 1946 wieder ihre Tore. Das Wirtschaftsleben lag fast v\u00f6llig danieder. Die Oberkasseler Zementfabrik konnte erst im Mai 1946 wieder die Herstellung von Zement aufnehmen. Es w\u00fcrde zu weit f\u00fchren, wollte man hier die Verh\u00e4ltnisse der Nachkriegszeit schildern. Diese sowie die der Kriegszeit selber sind in einer Ausgabe der Schriftenreihe des Heimatvereins ausf\u00fchrlich dargestellt. Festzuhalten bleibt, dass die Oberkasseler, wie auch die Bev\u00f6lkerung in den Nachbarorten, im Jahre 1945 nicht daran dachten, Kirmes zu feiern, denn man hatte andere Sorgen.<\/p> <p>Der Zusammenbruch des \u00f6ffentlichen Lebens nach den furchtbaren Kriegsjahren 1939 &#8211; 1945 zeigte, dass auch das Vereinsleben der Dorfgemeinschaften zerst\u00f6rt war. Schlimm war die Gleichschaltungsdoktrin der NSDAP gewesen, die allen Vereinen das F\u00fchrerprinzip aufzwang und ihnen ihre Individualit\u00e4t nahm. Auch die Bruderschaft musste damals darunter leiden. Im Jahre 1945 formierte sie sich noch nicht, zumal viele Mitglieder noch nicht aus dem Krieg zur\u00fcckgekehrt waren.<\/p> <p>Als sich im Jahre 1946 das Gemeindeleben allm\u00e4hlich normalisierte, hatte die katholische Kirchengemeinde den Wunsch, das Fronleichnamsfest wieder mit einer Prozession \u00f6ffentlich zu feiern. Bis Kriegsanfang wurde hierbei von der Bruderschaft gem\u00e4\u00df alter Tradition der Baldachin getragen. Diesen Brauch wieder aufzunehmen schlug das Ehrenmitglied Theo Trommeschl\u00e4ger jun. dem damaligen Pfarrer Bernhard Rosauer vor. Nach eingehender Beratung war der Pfarrer damit einverstanden.<\/p> <div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1372\" src=\"http:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-50_-kobes-2.jpg\" alt=\"\" width=\"584\" height=\"956\" \/><figcaption><i>Ehrenbrudermeister Jakob Limbach<\/i> <\/figcaption><\/figure><\/div><p>Theo Trommeschl\u00e4ger jun. und der ehemalige Brudermeister Jakob Limbach luden daraufhin die ehemaligen K\u00f6nige und die katholischen Junggesellen, die bereits vor dem Kriege Mitglied waren, zum 16. Juni 1946 zu einer Versammlung im Lokal zur Rheinlust (Inhaber H. Hei) ein. Es kamen von den ehemaligen K\u00f6nigen Rudolf Bergmann, Peter Wirges, Paul Klein, Theodor Trommeschl\u00e4ger sen., Franz Wirges, Hans H\u00fcbel, Adam Velten, Adolf Mittler, Heinrich Droisdorf, Peter Nuyen und Hermann Scheidt und als fr\u00fchere Mitglieder Willi Dietzler, Paul Mohr, Peter Richarz und Johannes Schmitz. Jakob Limbach gedachte zun\u00e4chst der gefallenen und verstorbenen K\u00f6nige und Mitglieder. Viele Mitglieder waren noch vermisst oder in Gefangenschaft. Es wurde ein vorl\u00e4ufiger Vorstand berufen, dem Jakob Limbach, Theodor Trommeschl\u00e4ger, Willi Dietzler und Paul Mohr angeh\u00f6rten. Auf der Tagesordnung standen nur zwei Punkte: Das Fronleichnamsfest und das Wiederaufleben der Bruderschaft.<\/p> <p>Theo Trommeschl\u00e4ger jun. berichtete \u00fcber das Gespr\u00e4ch mit dem Pfarrer. Nach alter Tradition wurde der Baldachin stets von den Chargierten getragen. Weil aber von den verbliebenen neun Mitgliedern keiner Chargierter gewesen war, einigte man sich dahingehend, dass die vier j\u00fcngsten K\u00f6nige den Baldachin, im Volksmund &#8222;Himmel&#8220; genannt, tragen sollten. Zum zweiten Punkt, bei dem es um das Wiederaufleben der Bruderschaft ging, war man sich nach lebhafter Aussprache einig, dass ein formeller Akt nicht n\u00f6tig sei, weil die kirchliche Bruderschaft 1935 nicht aufgel\u00f6st worden sei. Nun sollte bei allen interessierten Junggesellen geworben werden, damit diese Mitglieder wurden.<\/p> <p>Das Echo bei den Oberkasseler Junggesellen war positiv, und am 13. Juli 1946 kam eine gr\u00f6\u00dfere Anzahl von Junggesellen zu ihrer ersten Versammlung nach dem Krieg in dem Lokal Rheinischer Hof (Inh. Lene H\u00fcbel) zusammen. Der vorl\u00e4ufige Vorstand sprach mit ihnen \u00fcber die Geschichte, die Tradition und den Sinn der Bruderschaft. Es wurde eifrig diskutiert, und alle waren bereit, Mitglied zu werden. Dann w\u00e4hlte man den neuen Vorstand, der sich wie folgt zusammensetzte: Willi Marner, 1. Brudermeister; Jakob Limbach, 2. Brudermeister; Heinrich Weber, Schriftf\u00fchrer; Karl Mittler, Kassierer; Josef Diefenthal, Eberhard Maier-Peveling und Walter Wolff als F\u00e4hnriche. Die ehemaligen K\u00f6nige versicherten dem jungen, neugew\u00e4hlten Vorstand, ihn bei seiner Arbeit zu unterst\u00fctzen. Man beschloss auf dieser Versammlung, dass die Kirmes 1946 nach alter Bruderschaftstradition gefeiert werden sollte.<\/p> <p>Die Kirmes nach alten Brauch zu feiern, war ein nicht gerade leichter Auftrag f\u00fcr den neuen Vorstand, denn bis zur Kirmes am 18. August 1946 waren es nur wenige Wochen. Mit Rat und Tathalfen hier die ehemaligen K\u00f6nige und besonders Ehrenmitglied Theo Trommeschl\u00e4ger jun. und Jakob Limbach. Letzterer von den Junggesellen liebevoll &#8222;Kobes&#8220; genannt, musste immer wieder Auskunft geben, wie das Brauchtum denn fr\u00fcher gehandhabt wurde. Schon im April 1946 hatten sich einige \u00e4ltere K\u00f6nige um den Schilderkranz bem\u00fcht. Diesen hatte der letzte K\u00f6nig Peter Nuyen \u00fcber den Krieg gerettet. Er hatte ihn vor dem Einmarsch der Amerikaner aus dem Tresor der Sparkasse geholt und zu Hause unter den Briketts im Keller versteckt. Kritisch wurde es allerdings, als nach dem Einmarsch der Amerikaner alle Oberkasseler B\u00fcrger, die zwischen Hauptstrasse und Rheinufer wohnten, binnen kurzer Zeit ihre Wohnungen r\u00e4umen mussten. Auf einem Leiterwagen konnte Peter Nuyen seine notwendigste Habe &#8211; darunter der Schilderkranz &#8211; mitnehmen. Andere f\u00fcr den Sch\u00fctzenzug erforderliche Utensilien, wie Uniformen, Hirschf\u00e4nger, Degen, Sch\u00e4rpen waren nur wenige vorhanden. Hier halfen die Nachbarbruderschaften Niederdollendorf und Plittersdorf dankenswerterweise aus.<\/p> <div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1373\" src=\"http:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-51_-erlaubnis-1.jpg\" alt=\"\" width=\"574\" height=\"589\" \/><figcaption><i>Die Genehmigung der englischen Milit\u00e4rregierung\u00a0vom 6. August 1946<\/i><\/figcaption><\/figure><\/div> <p>F\u00fcr den Umzug an den Kirmestagen 1946 war die Genehmigung der englischen Milit\u00e4rregierung in Siegburg notwendig. Hilfreich war ein Schreiben der Erzbruderschaft vom hl. Sebastianus in Leverkusen-B\u00fcrrig vom 27. Juli 1946, welche der Oberkasseler Bruderschaft die Mitgliedschaft in dieser Organisation best\u00e4tigte. Die Erzbruderschaft war von der Milit\u00e4rregierung anerkannt und in ihrem althergebrachten Auftreten genehmigt worden. B\u00fcrgermeister M\u00fclhens unterst\u00fctzte den Antrag der Bruderschaft, und so wurde dann auch der Kirmesumzug genehmigt. Nicht genehmigt wurden die Tradition des K\u00f6nigsvogel-schie\u00dfens, das B\u00f6llerschie\u00dfen und die K\u00f6nigsparade. Vor der Kirmes hatte noch jemand die Bruderschaft bei der englischen Milit\u00e4rregierung denunziert und angegeben, die Bruderschaft wolle einen milit\u00e4rischen Aufzug abhalten. B\u00fcrgermeister M\u00fclhens konnte aber die Engl\u00e4nder davon \u00fcberzeugen, da\u00df dies nicht der Fall sei.<br><br>Am 27. Juli 1946 kamen im Rheinischen Hof 48 Junggesellen zusammen, um den Ablauf des Kirmesfestes 1946 zu besprechen. Da war zun\u00e4chst die Diensteversteigerung. Eine Versteigerung war in Anbetracht der Nachkriegsverh\u00e4ltnisse nicht angebracht. Man einigte sich darauf, die Chargierten zu w\u00e4hlen. Der Gew\u00e4hlte zahlte daf\u00fcr 10 RM in die Kasse und jedes Mitglied 5 RM, damit die Kosten des Umzuges gedeckt wurden. Wie erw\u00e4hnt, war das K\u00f6nigsvogelschie\u00dfen von der Milit\u00e4rregierung nicht genehmigt worden. Daher kam der Vorschlag, den neuen K\u00f6nig nach demokratischen Grunds\u00e4tzen zu w\u00e4hlen. Kandidaten sollten dabei die Mitglieder sein, die bereits 1937 in der Bruderschaft waren. Hiermit waren auch die ehemaligen K\u00f6nige einverstanden. Die Wahl des Sch\u00fctzenk\u00f6nigs sollte acht Tage vor der Kirmes sein. Der Gew\u00e4hlte sollte in die vollen Rechte und Pflichten eines K\u00f6nis eintreten. Er hatte auch den Hofstaat zu bilden. Nach lebhafter Diskussion wurde beschlossen, dass der inzwischen verheiratete K\u00f6nig des Jahres 1939, Peter Nuyen, bis zur Kr\u00f6nung des neuen K\u00f6nigs den Schilderkranz tragen solle. Dies sollte auch ein sichtbarer Ausdruck des Dankes sein f\u00fcr die Aufbewahrung des Schilderkranzes bis nach dem Kriege. Die Wahl des neuen K\u00f6nigs war auf den 10. August 1946 angesetzt, und zwar im Lokal Rheinischer Hof. Immerhin waren 42 Mitglieder erschienen. Nach Bekanntgabe der Wahlordnung wurde Paul Mohr mit 39 Stimmen in geheimer Wahl zum neuen Sch\u00fctzenk\u00f6nig f\u00fcr das Jahr 1946\/47 bestimmt. Nachdem die Oberkasseler B\u00fcrger durch ein Werbeblatt mit dem Programm zum Mitfeiern aufgerufen worden waren, konnte die Kirmes 1946 beginnen. Das \u00dcben f\u00fcr den Sch\u00fctzenzug und die Parade kam noch nicht in Frage, aber das Aufstellen der Vogelstange mit dem Vogel auf der Halde des Steinbruchs Peter Uhrmacher fand statt. Schilderkranzputzen, St\u00e4ndchen spielen und Wecken am Morgen durch die &#8222;Kn\u00fcppelches Junge&#8220; wurden ebenfalls durchgef\u00fchrt. Das Trommler- und Pfeifencorps bestand aus vier Personen und zwar Franz Wirges, Christian Schmitz, Heinrich Noll und Peter Weinstock. Am Morgen wurden Hauptmann, F\u00e4hnriche, Brudermeister und Sch\u00fctzenk\u00f6nig zur Prozession abgeholt. Nach dem Hochamt wurde der Kirmeswalzer gespielt und der Geistlichkeit die Fahne geschwenkt. Die Gefallenenehrung auf dem Marktplatz und das Fahneschwenken f\u00fcr die B\u00fcrgerschaft schlossen sich an.<\/p> <div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"649\" height=\"404\" class=\"wp-image-1376\" src=\"http:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-53_-schuetzenzug-1.jpg\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-53_-schuetzenzug-1.jpg 649w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-53_-schuetzenzug-1-300x187.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 649px) 100vw, 649px\" \/><figcaption><br><i>Zu Ehren des B\u00fcrgermeister August M\u00fclhens und\u00a0Amtsdirektor Josef Sch\u00f6nenbr\u00fccher\u00a0wird vor dem Rathaus Oberkassel\u00a0die Fahne geschwenk<\/i>t<\/figcaption><\/figure><\/div> <p>Der erste Sch\u00fctzenzug nach dem Zweiten Weltkrieg wurde von folgenden Chargierten und Begleitern durchgef\u00fchrt:<\/p><p>Am Montagmorgen feierte man die heilige Messe f\u00fcr die Lebenden und Verstorbenen der Bruderschaft, ein Brauch der sich bis heute erhalten hat. Anschlie\u00dfend war die Festfeier zum 150j\u00e4hrigen Bestehen der Bruderschaft und zum 125j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um der Sch\u00fctzen. Hinzu kam das Jubil\u00e4um von Adolf Mittler, der vor 25 Jahren Sch\u00fctzenk\u00f6nig gewesen war. Es wurden gleichzeitig auch einige Jubil\u00e4en nachgeholt, die im Zweiten Weltkrieg nicht gefeiert werden konnten, und zwar von<\/p> <p>Rudolf Bergmann, 60 Jahre K\u00f6nig im Jahre 1943,<br>Peter Wirges, 50 Jahre K\u00f6nig im Jahre 1941,<br>Adam Velten, 25 Jahre K\u00f6nig im Jahre 1945.<\/p> <p>Der Brudermeister Willi Marner f\u00fchrte bei der Begr\u00fc\u00dfungsansprache auch den Pfarrer Bernhard Rosauer als neuen Pr\u00e4ses ein. Dieser hielt die Festansprache und \u00fcberreichte den Jubilaren ihre Jubilarschilder. Amtsb\u00fcrgermeister August M\u00fclhens gratulierte im Namen der Gemeinde und die Vertreter der Ortsvereine f\u00fcr ihre Mitglieder. Der fr\u00fchere Sch\u00fctzenk\u00f6nig Hans H\u00fcbel dankte im Namen aller Jubilare f\u00fcr die Ehrungen. Bei der Festfeier wirkten auch die beiden Oberkasseler Gesangsvereine mit.<\/p> <figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1377\" src=\"http:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-52_-muelhens-1.jpg\" alt=\"\" width=\"580\" height=\"443\" srcset=\"https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-52_-muelhens-1.jpg 627w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-52_-muelhens-1-300x229.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><figcaption> <i>Der Sch\u00fctzenzug im Jahre 1946<\/i> <\/figcaption><\/figure><p>Nachmittags war mit dem Sch\u00fctzenzug das Fahneschwenken bei Freunden und G\u00f6nnern verbunden. Der Festzug ging dann durch den Ort zum Hotel zur Post, wo wiederum der Kirmesball stattfand. Die Milit\u00e4rregierung hatte diesen bis 6.30 Uhr genehmigt. Wegen der Sperrstunde durfte bis zum Morgen der Saal nicht verlassen werden. Wollte ein Junggeselle schon fr\u00fcher nach Hause, dann kletterte er durch ein Fenster der Kegelbahn nach au\u00dfen, denn die T\u00fcre der Gastst\u00e4tte war zugesperrt.<\/p> <p>Durch die Zeitverh\u00e4ltnisse bedingt, war am Dienstag kein Kirmesumzug mehr. Mit dem Einholen der Vogelstange und dem Verbrennen des Kirmeskerls am Rhein war am Mittwochabend die Kirmes 1946 zu Ende. Die erste Kirmes nach dem Kriege haben die Oberkasseler B\u00fcrger freudig mitgefeiert. War es doch nach sieben Jahren das erste gemeinsame Dorffest und auch etwas Ablenkung von den Alltagssorgen. Auch die finanzielle Unterst\u00fctzung der Oberkasseler war gro\u00df, denn aus dem Erl\u00f6s des Fahneschwenkens und den Saaleinnahmen konnte die Bruderschaft dem Pfarrer 300 RM f\u00fcr karitative Zwecke \u00fcbergeben.\u00a0<br>Ein gro\u00dfes Verdienst an dem Gelingen der ersten Kirmes nach dem Krieg hat der Brudermeister Willi Marner. Mit ihm hat die Bruderschaft eine Pers\u00f6hnlichkeit erhalten, die geradlinig die Ziele der Bruderschaft verfolgte. Er organisierte vor der Kirmesalles was f\u00fcr den Sch\u00fctzenzug erforderlich war. Fast t\u00e4glich war er f\u00fcr die Bruderschaft unterwegs. Sein Arbeitgeber Rainer P\u00fctz hatte als alter Oberkasseler hierf\u00fcr viel Verst\u00e4ndnis und unterst\u00fctzte ihn. Willi Marner hat die Bruderschaft bis zu seiner Verheiratung im Jahre 1950 vorbildlich gef\u00fchrt und wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Er verzog nach Langenfeld, wo er gleich der St. Sebastianus Sch\u00fctzenbruderschaft Langenfeld-Immigrath beitrat. Hier wurden er und seine Frau Lene das Sch\u00fctzenk\u00f6nigspaar der Jahre 1963\/64. Von 1967 bis 1988, also 21 Jahre, war er 1. Brudermeister in Langenfeld-Immigrath.<\/p> <figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"627\" height=\"436\" class=\"wp-image-1383\" src=\"http:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-54_-Marner-1.jpg\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-54_-Marner-1.jpg 627w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-54_-Marner-1-300x209.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 627px) 100vw, 627px\" \/><figcaption> <i>Brudermeister Willi Marner im Sch\u00fctzenzug<\/i> <\/figcaption><\/figure><p>Nachdem sich der Vorstand von den Strapazen der Kirmeserholt hatte, lud er alle Mitglieder und die ehmaligen Sch\u00fctzenk\u00f6nige mit ihren Angeh\u00f6rigen zu einem Familienabend am 6. Oktober 1946 in das Hotel zur Post ein. Der Saal war voll besetzt und die Jubilark\u00f6nige wurden durch Fahnenschwenken geehrt. Grosses Hallo gab es, als die beiden &#8222;Schlitze&#8220; Willi Dreesbach und J\u00fcppchen Weber mit dem in Plittersdorf mitgenommenen &#8222;Kirmesk\u00e4\u00e4l&#8220; in den Saal kamen. Sie tanzten mit ihm eine Extratour und marschierten dann im Paradeschritt aus dem Saal.<\/p> <p>Das erste Vereinsjahr endete mit der Generalversammlung im M\u00e4rz 1947. Der Versammlungsleiter, der ehemaliger Sch\u00fctzenk\u00f6nig Hans H\u00fcbel, schlug vor, keinen neuen Vorstand zu w\u00e4hlen, sondern den alten in seinem Amt zu best\u00e4tigen. Dieser habe gut gearbeitet und sollte die schwierige Aufbauarbeit mit den gemachten Erfahrungen weiterf\u00fchren. Die Versammlung war damit einverstanden. Der Brudermeister Willi Marner gab bekannt, dass die traditionelle Mailehenversteigerung wiederaufleben solle. Bei dem Maifest wolle man auch eine neue Schwenkfahne einweihen, weil die alte Fahne doch sehr verschlissen sei. Der Vorstand bem\u00fche sich auch, verlorengegangene Uniformteile neu zu beschaffen, was aber schwierig sei.<\/p> <p>Die Mailehenversteigerung fand am 30. April 1947 im Rheinischen Hof statt. Sie war gut besucht und es wurde eifrig geboten. Der Sch\u00fctzenk\u00f6nig Paul Mohr hatte das Amt des Versteigerers \u00fcbernommen. Maik\u00f6nig wurde Josef Diefenthal, der mit der Rekordsumme von 1.001 RM Anneliese Strau\u00df als Maik\u00f6nigin ersteigerte. Danach zogen die Junggesellen aus, um f\u00fcr ihre M\u00e4dchen Maib\u00e4ume zu schlagen. Das waren meistens junge Buchen mit den ersten zarten Bl\u00e4ttern, hinzu kamen dann nach und nach auch die Birken, die im Wald in gro\u00dfer Zahl wuchsen. Bedauerlicherweise kam es in dieser Mainacht zu einem peinlichen Vorfall.<\/p> <figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"627\" height=\"731\" class=\"wp-image-1384\" src=\"http:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-54_-maipaar-1.jpg\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-54_-maipaar-1.jpg 627w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-54_-maipaar-1-257x300.jpg 257w\" sizes=\"(max-width: 627px) 100vw, 627px\" \/><figcaption> <i>Das Maik\u00f6nigspaar 1947:<\/i><br><i>Josef Diefenthal und Anneliese Strau\u00df<\/i><\/figcaption><\/figure><p>Einigen Jugendlichen, darunter auch Mitglieder der Bruderschaft, erlaubte der G\u00e4rtner eines gr\u00f6\u00dferen Anwesens, Birken zu schlagen. In der Nacht bedrohten einige Jugendliche den G\u00e4rtner und f\u00e4llten wahllos B\u00e4ume und besch\u00e4digten den Zaun des Anwesens. Sie hatten wohl die Verrohung durch den Krieg noch nicht \u00fcberwunden. Der Besitzer des Parks zeigte am Tage darauf die Bruderschaft wegen Diebstahls an. Der Brudermeister Willi Marner wurde bei der Polizei vernommen und musste sich auch vor dem Amtsb\u00fcrgermeister und dem Amtsdirektor verantworten. Er lehnte es ab, dass man die Bruderschaft f\u00fcr den Diebstahl verantwortlich machte. Mit Ende der Mailehenversteigerung sei die Veranstaltung der Bruderschaft zu Ende gewesen, was nachher geschehe sei Privatsache jedes einzelnen. Auch sei nicht bewiesen, dass nur Mitglieder der Bruderschaft die \u00dcbelt\u00e4ter gewesen seien. Man bedauere die Angelegenheit und werde eine Versammlung einberufen. Zun\u00e4chst war die Durchf\u00fchrung des Fahnenweihfestes in Frage gestellt. Nach Beratung mit dem Pr\u00e4ses und einigen ehemaligen K\u00f6nigen war der Vorstand der Auffassung, dass das Fahnenweihfest durchgef\u00fchrt werden solle. Allerdings sagten die Vertreter der \u00f6rtlichen Beh\u00f6rden ihre Teilnahme ab.<\/p> <p>Das Fahnenweihfest fand am ersten Maisonntag, dem 4. Mai 1947 statt. Die neue Fahne, ein Entwurf von dem ehemaligen Sch\u00fctzenk\u00f6nig Hans H\u00fcbel, hatte das Wappen des Amtes Oberkassel als Symbol, eingerahmt von einem Eichenkranz. Auch das neue Vereinsabzeichen bekam das Wappen als Mittelpunkt und die Buchstaben des Vereinsnamens mit der Jahreszahl der Gr\u00fcndung 1794. Die B\u00fcrger halfen durch eine Sammlung mit, die Kosten der Anschaffung der Fahne aufzubringen. Alle Vereine von Oberkassel waren eingeladen worden, an der Feier auf dem Marktplatz und am Festzug teilzunehmen. Im Festhochamt hatte die Fahne ihre Weihe erhalten. Des Nachmittags zog ein Festzug durch den Ort zum Marktplatz. Hier begann die Feier mit dem Choral &#8222;Tochter Zion&#8220;, einem Liedvortrag des Quartettvereins und einem Prolog, den Resi Schr\u00f6der sprach. Der Brudermeister Willi Marner dankte allen, die mitgeholfen hatten das Fest zu gestalten. Er enth\u00fcllte die neue Fahne, und der F\u00e4hnrich Walter Wolff schwenkte sie zum ersten mal. Der Maiball fand im Hotel zur Post statt. Er musste aber wegen der Vorf\u00e4lle in der Nacht zum 1. Mai bereits um 23.00 Uhr beendet werden. Vorher hatte es aber noch einen Zwischenfall mit der englischen Besatzungsmacht gegeben. Die Englische Milit\u00e4rpolizei hatte einen Junggesellen, aus einem nicht bekannten Grunde,, im Hotel zur Post festgenommen. Sie setzten ihn hinten auf den Jeep. Hier hielt es unser Junggeselle nicht lange aus, er sprang am Kinkel-Denkmal vom fahrenden Jeep und verschwand im Dunkeln.<\/p> <figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"624\" height=\"483\" class=\"wp-image-1385\" src=\"http:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-55_-fahnenweihe-1.jpg\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-55_-fahnenweihe-1.jpg 624w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-55_-fahnenweihe-1-300x232.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 624px) 100vw, 624px\" \/><figcaption> <i>Fahnenweihfest am 4.5.1947<\/i> <\/figcaption><\/figure><figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"628\" height=\"632\" class=\"wp-image-1386\" src=\"http:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-56_-fahne-1.jpg\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-56_-fahne-1.jpg 628w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-56_-fahne-1-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-56_-fahne-1-298x300.jpg 298w\" sizes=\"(max-width: 628px) 100vw, 628px\" \/><figcaption> <i>Die Fahne der Bruderschaft aus dem Jahr 1947<\/i> <\/figcaption><\/figure><p>Der Alltag nach dem Krieg war schwer, und vieles, was man tat lag hart an der Grenze der Legalit\u00e4t; man denke an die Beschaffung der Brennstoffe oder an das &#8222;Fringsen&#8220;<sup>53<\/sup>\u00a0Trotz der Zeitumst\u00e4nde versuchte die Bruderschaft, auch zum Wohl der Allgemeinheit t\u00e4tig zu werden. So waren 15 Junggesellen bei Aufr\u00e4umungsarbeiten bombenzerst\u00f6rter H\u00e4user und beim s\u00e4ubern des Ehrenmals auf dem Marktplatz dabei.<\/p> <p>Es galt nun die Vorbereitungen f\u00fcr die Kirmes 1947 zu treffen. Durch die Mitgliedschaft im Verband der historischen Sch\u00fctzenbruderschaften war es auch den Oberkasseler Junggesellen erlaubt wieder ein K\u00f6nigsvogelschiessen durchzuf\u00fchren, allerdings nur mit der Armbrust. Eine solche lieh man sich bei dem B\u00e4ckermeister Strauch in Oberlar aus. Den K\u00f6nigsvogel herzustellen war nur ein Problem von vielen. Mit den Pfeilen der Armbrust einen Vogel aus Holz oder Gips zu zerst\u00f6ren, war nicht m\u00f6glich. Die Junggesellen wussten sich zu helfen. Sie montierten auf einen Holzblock sechs wei\u00df gestrichene Gl\u00fchbirnen, die Kopf, Fl\u00fcgel, Rumpf und F\u00fc\u00dfe symbolisch darstellten. Wer die letzte Gl\u00fchbirne zerschoss, war Sch\u00fctzenk\u00f6nig. Dies gelang Herbert Hambitzer, der seine Schwester Rose Hambitzer zur K\u00f6nigin nahm. Die Gemeindevertreter nahmen wieder an dem Fest teil, und B\u00fcrgermeister August M\u00fclhens hielt bei der Kr\u00f6nung des neuen K\u00f6nigs die Festrede.<\/p> <p>In dieser schwierigen Zeit erhielt man kaum etwas ohne Gegenleistung oder nur gegen viel Geld. Kleidung, Lebensmittel und Getr\u00e4nke waren fast nur im Tauschhandel zu erhalten. Auch die Zug- und Saalmusik stellte an die Bruderschaft ihre Bedingungen. Dank der Oberkasseler Gesch\u00e4ftsleute konnten dann die Musikanten bewirtet werden. Im Tanzsaal brachte jeder am Tisch etwas zu trinken mit. Viele hatten selbstgebrannten &#8222;Knolly Brandy&#8220; dabei oder Wein, den man &#8222;gemaggelt&#8220; (also eingetauscht) hatte. Jedenfalls stand eine bunte Getr\u00e4nkeauswahl auf dem Tisch. Der Wirt erhielt f\u00fcr jede Flasche ein sogenanntes &#8222;Stopfengeld&#8220;.<\/p> <figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"611\" height=\"375\" class=\"wp-image-1387\" src=\"http:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-56_-gruppe-1.jpg\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-56_-gruppe-1.jpg 611w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-56_-gruppe-1-300x184.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 611px) 100vw, 611px\" \/><figcaption> <i>Der Sch\u00fctzenzug im Jahr 1948 zu Gast bei Franz Jaspers.<\/i><br><i>Dabei waren auch der fr\u00fchere B\u00fcrgermeister Richard N\u00fccker und Verleger Johannes D\u00fcppen<\/i><\/figcaption><\/figure><p>Bezeichnend f\u00fcr diese Zeit ist ein Beschluss des Vorstandes, der den Mitgliedern am 7. Juli 1947 bekanntgegeben wurde: &#8222;Durch die augenblickliche Notlage ist es fast allen Mitgliedern der Bruderschaft unm\u00f6glich, von den Hungerrationen ihr eigenes Dasein aufrechtzuerhalten. Es ist daher eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, um jedem Mitglied die Ehre geben zu k\u00f6nnen, K\u00f6nig zu werden, dass von dem fr\u00fcher damit als Verpflichtung verbundenen K\u00f6nigsessen Abstand genommen wird. Wir verbieten daher f\u00fcr die Zeit der augenblicklichen Notlage jegliches Essengeben seitens des neuen oder alten K\u00f6nigs. Wir weisen daher auch nochmals ausdr\u00fccklich darauf hin, dass es nicht angeht, wenn Tausende Fl\u00fcchtlinge und ausgebombte heimatlose Menschen hungern, dass wir als \u00e4lteste Ortsvereinigung von Oberkassel ein schlechtes Beispiel geben w\u00fcrden.&#8220; In der schlechten Zeit nach dem Krieg kam auch ein alter Brauch wieder auf, am Kirmesdienstag bei den Gesch\u00e4ftsleuten die &#8222;Paradewurst&#8220; zu holen, welche dann anschlie\u00dfend von den Zugteilnehmern verzehrt wurde.<\/p> <p>Es war fast selbstverst\u00e4ndlich, dass auf der Generalversammlung der Bruderschaft am 21. M\u00e4rz 1948 Willi Marner einstimmig zum 1. Brudermeister gew\u00e4hlt wurde. In seiner Jahresbilanz konnte er stolz darauf hinweisen, dass die vergangene Kirmes 1947 trotz aller Schwierigkeiten in der alten Tradition durchgef\u00fchrt wurde. Es fehlte aber auch nicht an mahnenden Worten, die Mitglieder m\u00f6chten sich jederzeit f\u00fcr Glaube, Sitte und Heimat einsetzen. In dieser Versammlung wurde erstmals ein Vorstand der Ehemaligen Sch\u00fctzenk\u00f6nige gew\u00e4hlt, der der Bruderschaft mit Rat und Tat zur Seite stehen soll. Gew\u00e4hlt wurden Theo Trommeschl\u00e4ger jun., Stephan Haletzki und Hans H\u00fcbel.<\/p> <p>Die Mailehenversteigerung fand in der \u00fcblichen Weise am 30. April 1948 statt. Maik\u00f6nigin wurde Marietherese Pesch und Maik\u00f6nig Karl-Georg Fritz. Zuvor setzte die Bruderschaft f\u00fcr alle M\u00e4dchen im Ort auf dem Marktplatz einen Maibaum auf. Dies war beschlossen worden, um den Waldbestand zu schonen, und damit sich die unliebsamen Vorf\u00e4lle des Vorjahres nicht wiederholen. Aber schon im n\u00e4chsten Jahr wurde der alte Brauch, der Auserw\u00e4hlten einen eigenen Maibaum zu setzen, wieder aufgenommen.<\/p> <p>Alle Planungen f\u00fcr die Kirmes 1948 wurden durch die W\u00e4hrungsreform zunichte gemacht. Hierdurch hatte die Bruderschaft von heute auf morgen kein Geld mehr. Wie es weitergehen sollte, diskutierte ein erweiteter Vorstand im Juli 1948. Man einigte sich, trotz aller Schwierigkeiten die in einem Monat anstehende Oberkasseler Kirmes durchzuf\u00fchren. Die Oberkasseler B\u00fcrger bat man mit einer Haussammlung, zu den Kosten der Kirmes beizutragen. Bei der Fahnenfabrik in Bonn hatte die Bruderschaft bereits im April des Jahres eine neue Schwenkfahne, nach einem Entwurf von Peter Willmeroth, bestellt. Mit der Herstellerfirma traf man einen Zahlungsmodus, damit die Fahne rechtzeitig geliefert werden konnte.<\/p> <p>Die Kirmes 1948 bekam durch die Fahnenweihe, die 700-Jahrfeier des K\u00f6lner Doms und das Jubilark\u00f6nigsschie\u00dfen ihre besondere Bedeutung. Daran erinnern auch die K\u00f6nigsschilder des Sch\u00fctzenk\u00f6nigs Josef Diefenthal und des Jubilark\u00f6nis Wilhelm Schmitz, denn auf beiden ist der K\u00f6lner Dom abgebildet. Auch in diesem Jahr schoss man wieder auf den &#8222;Gl\u00fchbirnen-Vogel&#8220;.<\/p> <figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"632\" height=\"441\" class=\"wp-image-1392\" src=\"http:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-57_-zugeins-3.jpg\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-57_-zugeins-3.jpg 632w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-57_-zugeins-3-300x209.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 632px) 100vw, 632px\" \/><figcaption> <i>Der Sch\u00fctzenzug im Jahr 1948, hier der 1.<\/i> <\/figcaption><\/figure><figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"630\" height=\"431\" class=\"wp-image-1388\" src=\"http:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-57_-zugzwei-1.jpg\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-57_-zugzwei-1.jpg 630w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-57_-zugzwei-1-300x205.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 630px) 100vw, 630px\" \/><figcaption> <i>und 2. Zug<\/i> <\/figcaption><\/figure><p>Rudolf Bergmann, 90 Jahre alt, \u00e4ltester ehemaliger Sch\u00fctzenk\u00f6nig, feierte 1948 erstmals in der Geschichte der Bruderschaft, das seltene 65j\u00e4hrige K\u00f6nigsjubil\u00e4um. Frau Maria Kniffler, geborene Koch konnte ihr 50j\u00e4hriges und Nikolaus Werner sein 25j\u00e4hriges Jubil\u00e4um feiern. Bei der Festfeier am Dienstagmorgen hielt Franz Kissel die Festrede. Als Ehrengast wurde der fr\u00fchere B\u00fcrgermeister Richard N\u00fccker begr\u00fc\u00dft, der immer ein Freund und F\u00f6rderer der Bruderschaft gewesen war. Gl\u00fcckw\u00fcnsche \u00fcberbrachten B\u00fcrgermeister August M\u00fclhens, Prinz Ernst August zur Lippe und f\u00fcr die Ortsvereine Hans Richarz.<sup>54<\/sup>\u00a0Theo Trommeschl\u00e4ger, der schon 1934 f\u00fcr seine langj\u00e4hrige T\u00e4tigkeit als Schriftf\u00fchrer zum Ehrenmitglied ernannt worden war, erhielt das erste &#8222;Treuschild&#8220; der Bruderschaft. Der Gesangsverein &#8222;C\u00e4cilia&#8220; und der &#8222;Quartettverein&#8220; versch\u00f6nerten durch Liedvortr\u00e4ge die Festfeier. Das gemeinschaftliche Lied &#8222;Heil Dir, Du Jubilar&#8220;, das von dem Sch\u00fctzenk\u00f6nig Wilhelm Commans stammt, beendete die harmonische Festversammlung. Der Festzug mit den Jubilaren und vielen ehemaligen Zugteilnehmern konnte am Nachmittag die Parade nicht durchf\u00fchren, weil ein pl\u00f6tzlich einsetzender Platzregen alle durchn\u00e4sst hatte. Trotzdem wurde der K\u00f6nigsball, zum ersten mal wieder im katholischen Vereinshaus, fr\u00f6hlich abgehalten. Nach der Kirmes besuchte die Bruderschaft wieder die Veranstaltungen in Niederdollendorf und Plittersdorf.<\/p> <figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"636\" height=\"658\" class=\"wp-image-1393\" src=\"http:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-58_-fahne-1.jpg\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-58_-fahne-1.jpg 636w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-58_-fahne-1-290x300.jpg 290w\" sizes=\"(max-width: 636px) 100vw, 636px\" \/><figcaption> <i>Die Fahne der Bruderschaft aus dem Jahr 1948<\/i> <\/figcaption><\/figure><p>In den folgenden Jahren gab es neben den anfallenden Jubil\u00e4en auch einige \u00c4nderungen. So wurde die Diensteversteigerung durch eine Wahl abgel\u00f6st. Nun konnte sich jedes Mitglied mit entsprechendem Alter als Kandidat melden, also nicht nur diejenigen, die schon etwas mehr Geld in der Tasche hatten. Im Jahre 1949 wurde das Vogelschiessen mit dem Luftgewehr gestattet. Der K\u00f6nigsvogel aus Holz hing schwebend in einem Reif und war mit Gipsplttchen an B\u00e4ndern befestigt. Die Pl\u00e4ttchen mussten durchschossen werden und war das letzte getroffen, fiel der Vogel zur Erde. Der erste, dem dies gelang, war Willi Dreesbach. Zur K\u00f6nigin nahm er sich Magdalene Bungarten. Im Jahre 1950 wurde der K\u00f6nigsvogel wieder hergestellt wie im Jahr vorher, allerdings schoss man jetzt mit einem Kleinkalibergewehr auf die Gipspl\u00e4ttchen. Hierbei war Willi Hey der gl\u00fcckliche Sch\u00fctze, der sich K\u00e4the Kr\u00e4mer zur K\u00f6nigin erw\u00e4hlte. Ab 1950 durfte auch wieder geb\u00f6llert werden.<\/p> <figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"628\" height=\"415\" class=\"wp-image-1394\" src=\"http:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-58_-plittersdorf-1.jpg\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-58_-plittersdorf-1.jpg 628w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-58_-plittersdorf-1-300x198.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 628px) 100vw, 628px\" \/><figcaption><br><i>Die Oberkasseler bei einem Besuch in Plittersdorf, 1949<\/i><\/figcaption><\/figure> <p>Erfreulich ist, dass auch die Kinder aus Oberkassel fr\u00fcher und auch heute noch Interesse am Sch\u00fctzenzug zeigen. Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg bildeten sich Kindersch\u00fctzenz\u00fcge in den Ortsteilen Hosterbach, Meerhausen und in der Magdalenenstra\u00dfe (heute: Am Buschhof). Nach dem Kriege hatte auch der katholische Kindergarten unter Leitung der Schwester Serafin einen eigenen Kindersch\u00fctzenzug. Er wurde zur Freude der Kinder und deren Eltern durchgef\u00fchrt. Der Kindersch\u00fctzenzug zog durch die Strassen von Oberkassel. Zum Abschluss wurde der gestiftete Kuchen als K\u00f6nigsessen verzehrt.<\/p> <figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"558\" height=\"388\" class=\"wp-image-1395\" src=\"http:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-59_-kindersz1-1.jpg\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-59_-kindersz1-1.jpg 558w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-59_-kindersz1-1-300x209.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 558px) 100vw, 558px\" \/><figcaption> <i>Kindersch\u00fctzenzug in Hosterbach, Anfang der drei\u00dfiger Jahre<\/i> <\/figcaption><\/figure><figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"629\" height=\"369\" class=\"wp-image-1396\" src=\"http:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-59_-kindersz2-1.jpg\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-59_-kindersz2-1.jpg 629w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-59_-kindersz2-1-300x176.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 629px) 100vw, 629px\" \/><figcaption> <i>Schwester Serafin mit den Kindern des\u00a0kath. Kindergartens, 1949<\/i> <\/figcaption><\/figure><p>Zur Tradition der katholischen Pfarrgemeinde geh\u00f6rte neben der Fronleichnamsprozession auch die Prozession Am Kirmessonntag durch den Ort. Diese nahm nach 1947 folgenden Weg: Von der Kirche \u00fcber die Magdalenenstrasse (heute: Am Buschhof) durch die Kalkuhlstra\u00dfe bis zur Ecke Alsstra\u00dfe\/Hauptstra\u00dfe (K\u00f6nigswinterer Stra\u00dfe). Am Kaufhaus Peter Fenzl war der erste Segensaltar. Weiter ging es durch die Alsstrasse zur Wilhelmstra\u00dfe (Adrianstra\u00dfe). Hier war am Krankenhaus der zweite Segensaltar. Danach durch die Jakobstrasse zum Heiligenh\u00e4uschen an der Hauptstrasse (K\u00f6nigswinterer Stra\u00dfe), hier wurde der dritte Segen erteilt. \u00dcber die Hauptstrasse ging die Prozession zum Marktplatz, wo am Ehrenmal der vierte und letzte Segensaltar aufgebaut war. Von hier f\u00fchrte der Weg durch die Kirchstra\u00dfe (Kastellstra\u00dfe) zur Kirche zur\u00fcck. Auf dem Weg wechselten sich die Offiziere und die Begleiter beim Tragen des Baldachins ab. Der immer st\u00e4rker werdende Strassenverkehr war 1968 die Ursache daf\u00fcr, dass Pfarrer Wiegelmann anstatt der Prozession eine Messe auf dem Schulhof feierte. Das hat sich bis heute erhalten, allerdings jetzt im B\u00fcrgerpark. Die Fronleichnamsprozession blieb bis heute bestehen. Sie geht aber nicht mehr auf dem letzten Teil ihres Weges \u00fcber die K\u00f6nigswinterer Stra\u00dfe, sondern aus verkehrstechnischen Gr\u00fcnden durch die Simonstra\u00dfe und Julius-Vorster-Stra\u00dfe zur Kirche zur\u00fcck. Statt an dem Missionskreuz an der Ecke Kinkelstra\u00dfe\/K\u00f6nigswinterer Stra\u00dfe ist jetzt der letzte Segen in der Kirche. Die Offiziere und Begleiter tragen auch bei dieser Prozession den &#8222;Himmel&#8220;.<\/p><p>An der Wallfahrt nach Ahrweiler, die im September jeden Jahres stattfindet, nehmen die Mitglieder der Bruderschaft regelm\u00e4\u00dfig teil. Ein besonderes Ereignis f\u00fcr die Pfarre war die Fatima-Feier im September 1954. Dabei haben die Offiziere die Marienstatue, die in der Di\u00f6zese K\u00f6ln von Pfarre zu Pfarre weitergegeben wurde, von der Hardstrasse (Gemeindegrenze) in einer Prozession bis zur Kirche getragen. Alle Chargierten nahmen an der anschliessenden Feier teil. Es ist auch Brauch, bei einer Firmung den Bischof zur Kirche zu begleiten oder bei einer Primiz den Neupriester mit einer Fahnenabordnung abzuholen. Nach Weihnachten feiert die Bruderschaft das Fest der heiligen Familie als ihr eigentliches Patronatsfest. Nach der Gemeinsam gefeierten Messe trifft man sich zum gemeinsamen Fr\u00fchst\u00fcck. Die Teilnahme bei Einkehrtagen, die mit den Dollendorfer Bruderschaften gemeinsam gestaltet werden, der Besuch der Betstunden beim ewigen Gebet und die Teilnahme bei Beerdigungen verstorbener Mitglieder geh\u00f6ren mit zur kirchlichen Tradition der Bruderschaft.<\/p> <p>Als Willi Marner 1950 wegen bevorstehender Heirat seinen verantwortungsvollen Posten als Brudermeister abgab, wurde der damalige 2. Brudermeister Karl Theil sein Nachfolger. Der Pr\u00e4ses, Pfarrer Rosauer, dankte auf der Generalversammlung am 2. April 1950 dem ausscheidenden Brudermeister Willi Marner herzlich f\u00fcr die vorbildliche Arbeit, die er in den ersten Jahren nach dem Kriege geleistet hatte. Er war derjenige, der die Bruderschaft nicht nur gef\u00fchrt, sondern auch im christlichen Sinne gepr\u00e4gt hatte. Bei seinem Ausscheiden hatte die Bruderschaft 68 Junggesellen als Mitglieder. Im Jahre 1957 wurde Willi Marner Ehrenmitglied der Bruderschaft und erhielt das &#8222;Treueschild&#8220;.\u00a0<\/p> <figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"579\" height=\"376\" class=\"wp-image-1397\" src=\"http:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-60_-gruppe-1.jpg\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-60_-gruppe-1.jpg 579w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-60_-gruppe-1-300x195.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 579px) 100vw, 579px\" \/><figcaption> <i>Ausflug der Bruderschaft nach Hammerstein, 1950<\/i><br><i>Von links: Maria Theil, Karl Theil (Brudermeister), K\u00e4the Kr\u00e4mer (Sch\u00fctzenk\u00f6nigin), Willi Hey (Sch\u00fctzenk\u00f6nig), Agnes Laufenberg\u00a0und Wimar Holtorf (2. Brudermeister)<\/i><\/figcaption><\/figure><p>In den ersten Jahren nach dem Krieg veranstaltete die Bruderschaft im Herbst einen internen Unterhaltungsabend. Durch die Veranstaltungen der Vereine fand dieser bald keinen Zuspruch mehr. Statt dessen machte die Bruderschaft im Oktober 1950 einen Ausflug zum Weinort Hammerstein. F\u00fcr jedes Mitglied, das mitmachte, wurde aus der Kasse Fahrgeld und eine Flasche Wein und ein kleines Abendessen bezahlt. Einige Mitglieder des Mandolinenvereins spielten am Abend die Tanzmusik. Dieser Ausflug wird wegen seiner Weinseligkeit noch manchem in Erinnerung sein.<\/p> <p>Der Krieg und die Verh\u00e4ltnisse der Nachkriegszeit hatten es verhindert, dass die Junggesellen fr\u00fch heirateten. Nach der W\u00e4hrungsreform, sp\u00e4testens etwa ab 1950, war ein gr\u00f6\u00dferer Drang zum Traualtar festzustellen. Mit der Verheiratung endete nat\u00fcrlich die aktive Mitgliedschaft in der Bruderschaft. Nun wurde von der Bruderschaft wieder ein Brauch aufgenommen, der schon fr\u00fcher bestand, n\u00e4mlich &#8222;die Jue zo holle&#8220;. Urspr\u00fcnglich war dies wohl ein Entgelt von Wein als Strafe f\u00fcr einen Freier, der den Junggesellen ein M\u00e4dchen wegheiratet. Seit wann der Brauch in Oberkassel ausge\u00fcbt wurde, ist nicht festzustellen. Wir k\u00f6nnen aber davon ausgehen, dass dies zumindest seit der Jahrhundertwende der Fall ist. Von der Nachbarbruderschaft Oberdollendorf wissen wir, dass dieser Brauch dort bereits im vorigen Jahrhundert ausge\u00fcbt wird und sinngem\u00e4\u00df dem &#8222;Jue-Spruch&#8220; unserer Bruderschaft gleicht.<sup>55<\/sup>Auch in Niederdollendorf und in Bodendorf an der Ahr wird der Junggesellenspruch heute noch vorgetragen. Der amtierende Sch\u00fctzenk\u00f6nig hat vor Braut und Br\u00e4utigam folgenden &#8222;Jue-Spruch&#8220; aufzusagen:<\/p> <blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><i>Guten Abend verehrte Hochzeitsg\u00e4ste!<\/i><br><i>Wir Oberkasseler Junggesellen sind so frei und betreten dieses Haus<\/i><br><i>und fordern Braut und Br\u00e4utigam heraus.<\/i><br><i>Wir kommen nicht mit Ketten und Banden,<\/i><br><i>sondern mit dem St. Sebastianus-Stab,\u00a0<\/i><br><i>womit wir kommen,<\/i><br><i>die Macht zu fordern, die Jura.<\/i><br><i>So stellt uns Braut und Br\u00e4utigam her,<\/i><br><i>damit wir Euch sagen unser Begehr.<\/i><br><i>Guten Abend Herr Br\u00e4utigam und Jungfrau Braut!<\/i><br><i>Nun h\u00f6rt unser Verlangen,<\/i><br><i>womit ich nun werd anfangen.<\/i><br><i>Ich bitte Sie, wollen sich zu mir bekehren<\/i><br><i>und meine Worte mit Flei\u00df anh\u00f6ren.<\/i><br><i>Sie wollen mich aber nicht auslachen<\/i><br><i>wenn ich meine Sache nicht recht sollte machen,<\/i><br><i>denn als ich gestern daran studierte,<\/i><br><i>mich eine sch\u00f6ne Jungfrau fixierte,<\/i><br><i>soda\u00df ich mit ihr ging in ein K\u00e4mmerlein,<\/i><br><i>wo ich die ganze Nacht hab geschafft und gesessen<\/i><br><i>und da hab ich das Studieren ganz vergessen.<\/i><br><i>Ja, dabei hat sie mich zerkratzt und gebissen,<\/i><br><i>soda\u00df ich das Latein aus der Bibel hab gerissen.<\/i><br><i>Ja, ich kann Euch sagen,<\/i><br><i>je weniger Geld die Junggesellen haben,<\/i><br><i>desto mehr Durst haben sie.<\/i><br><br><i>Herr Br\u00e4utigam!<\/i><br><i>Jetzt bring ich hervor die erste Klage:<\/i><br><i>Sie sind in unseren Schafstall gedrungen und haben uns das allersch\u00f6nste Sch\u00e4flein herausgenommen, womit wir Junggesellen gar nicht einverstanden sind. Daf\u00fcr sollt ihr uns zur Strafe geben: Einen Ohm guten Wein, einen halben Ohm Branntwein\u00b4, und drei Berliner Taler, die m\u00f6chten uns Junggesellen heute abend wohl sein.<\/i><br><br><i>Herr Br\u00e4utigam!<\/i><br><i>Jetzt bring ich hervor die zweite Klage :\u00a0<\/i><br><i>Sie sind in unseren Rosengarten gestiegen und haben das allersch\u00f6nste R\u00f6slein, welches darin stand, herausgenommen. Und da sie gewillt sind, dieses Hellbl\u00fchende in ihr Lustzimmer einzuf\u00fchren, wollen sie uns zur Strafe geben: Zwei Ohm guten Wein, einen Ohm Branntwein, und zw\u00f6lf Taler bares Geld, welches meinen Mitgesellen recht sch\u00f6n gef\u00e4llt.<\/i><br><br><i>Herr Br\u00e4utigam!<\/i><br><i>Jetzt bringe ich hervor die letzte, die allergr\u00f6\u00dfte Klage:<\/i><br><i>Sie ist gewesen weder Rose noch Bl\u00fcmelein, sondern die allersch\u00f6nste Jungfrau Dein. Sie ist diejenige, auf die wir Junggesellen all unsere Lust und Freundschaft gesetzt haben. Wir haben sie bewahrt bis in die zwanziger Jahre vor allen R\u00e4ubereien, Feuer, Wasser und Brand, und es hat sich auch niemand erk\u00fchnt, dieses hellbl\u00fchende anzur\u00fchren, soda\u00df sie ihren ersten Glanz noch nicht verloren hat. Sie ist reiner als eine Glocke und sch\u00f6ner als Samt und Seide. Hierf\u00fcr sollt ihr uns geben: \u00bc Ohm Weinf\u00fcr einen Gratistrunk, das soll aber nur geschehen aus reinem Herzensgrund.\u00a0<\/i><br><br><i>Dann w\u00fcnschen wir dem Herren Br\u00e4utigam zur Hochzeit ein fettes Rind und der Jungfrau Braut nach verflossener Zeit ein Kind: Im ersten Jahr ein Kn\u00e4blein im zweiten Jahr ein M\u00e4gdelein und so fort, bis die Zahl zw\u00f6lf mag sein. Doch lasset Eure Kinder gut unterrichten, damit sie kommen zur Erkenntnis ihrer Pflicht, denn ein goldener Kopf ist mehr Wert als ein goldener Hut, und ein studierender Kopf als alles Hab und gut.<\/i><br><i>Dann w\u00fcnschen wir dem Brautpaar nur Freude -kein Leid,<\/i><br><i>nur Rosen &#8211; keine Dornen,<\/i><br><i>nur Sonne &#8211; keinen Schatten.<\/i><br><i>Sind nun diese meine Worte nicht richtig gesprochen, so gebet uns das Fleisch und behaltet die Knochen,\u00a0<\/i><br><i>so gebet uns die jungen Hahnen, der Blinde erschlag den Lahmen,<\/i><br><i>so gebet uns das Fleisch, damit Euch der Hund nicht beist.<\/i><br><i>Dann wollen wir mit Freuden sprechen:<\/i><br><i>Es leben hoch der Br\u00e4utigam und die Jungfrau Braut!<\/i><br><i>Wir sagen Euch Dank und w\u00fcnschen Euch viel Gl\u00fcck und Segen im neuen Haushalt.<\/i><\/p><\/blockquote> <p>Ein Jubil\u00e4um wird von der Bruderschaft seit jeher besonders gefeiert. Hat ein Sch\u00fctzenk\u00f6nig sein f\u00fcnfzigstes, sechzigstes oder gar sein f\u00fcnfundsechzigstes K\u00f6nigsjubil\u00e4um, wird dies mit einem Festkommers und einem gro\u00dfen Sch\u00fctzenzug unter Beteiligung der inaktiven ehemaligen Mitglieder gefeiert. Sie gehen dann als dritter Zug mit Zugoffizier, F\u00e4hnrich und Hauptmann, manchmal mit eigenem Tambour-Corps, mit. So auch wieder im Jahre 1951, als Ludwig Lenz sein 50j\u00e4hriges Jubil\u00e4um feiern konnte. Dies war Anlass f\u00fcr die ehemaligen K\u00f6nige einen Jubilark\u00f6nig auszuschiessen. Hans H\u00fcbel wurde Jubilark\u00f6nig und Eberhard Hambitzer konnte den Treffer f\u00fcr den 100. Sch\u00fctzenk\u00f6nig der Bruderschaft anbringen. Seine K\u00f6nigin war Hilde Keller. Die Festrede bei der Jubelfeier hielt Pfarr-Rektor Hallerbach, ein geb\u00fcrtiger Oberkasseler. Er konnte bei der Ansprache einige Anekd\u00f6tchen von der Kirmes erz\u00e4hlen. Wenn m\u00f6glich, hat man f\u00fcr die Festansprachen immer Pers\u00f6hnlichkeiten gebeten, die ihre Heimat liebten und die Tradition der Bruderschaft kannten. Es f\u00fchrt zu weit, wenn hier der Ablauf jeden Jubil\u00e4ums geschildert w\u00fcrde, zumal sich diese in der \u00e4u\u00dferen Gestaltung \u00e4hneln.<sup>56<\/sup><\/p> <p>Hans Otten wurde 1952 Sch\u00fctzenk\u00f6nig und zu seiner K\u00f6nigin erw\u00e4hlte er sich Marlene Knipp. Leider tr\u00fcbte in diesem Jahr ein Unfall beim B\u00f6llern die Stimmung. Ein falscher Schuss verletzte den B\u00f6llermeister Jakob Bock im Gesicht und an einem Auge. Das B\u00f6llern geschah damals noch mit einem B\u00f6ller-M\u00f6rser. Zum Vogelschiessen hatte Herr Wilhelm Wimmeroth vom Kleinkaliber-Sportverein die Gewehre geliehen. Er war es dann, der nach dem Unfall eine ungef\u00e4hrlichere B\u00f6llerkanone anfertigte. Die Gemeinde spendete hierf\u00fcr das Gestell und die R\u00e4der einer alten Feuerwehrspritze. Die B\u00f6llerkanone wurde 1954 in Betrieb genommen.<\/p> <p>Einige Ereignisse au\u00dferhalb der Kirmes sollten hier noch kurz erw\u00e4hnt werden. Der Pr\u00e4ses, Pfarrer Rosauer, hatte die Mitglieder der Bruderschaft gebeten, bei der Neugestaltung des alten Friedhofes an der Kirche mitzuhelfen. Es wurden Unkraut und Gestr\u00fcpp entfernt und die Gr\u00e4ber teilweise eingeebnet. &#8211; Anl\u00e4\u00dflich der Firmung am 31.Mai 1954 durch den Weihbischof Ferche nahm eine Abordnung der Bruderschaft an dem Festgottesdienst teil. &#8211; Vor der Kirmes 1954 gab es in der katholischen Pfarrgemeinde ein seltenes Fest. Pater Placidus Mittler feierte am 1. August 1954 in seiner Heimatgemeinde Oberkassel Primiz. Die Chargierten der Bruderschaft begleiteten ihn zur Kirche. Der Brudermeister gratulierte auch im Namen der Ortsvereine und \u00fcberreichte als Geschenk eine Beichtstola. Der damalige Primiziant ist heute Abt des Benediktinerklosters auf dem Michelsberg zu Siegburg.<\/p> <p>Die Kirmes und das Maifest verliefen in den n\u00e4chsten Jahren nach alter Tradition und ohne besondere Vorkommnisse. Um Wiederholungen zu vermeiden, wird auf die Schilderung der folgenden Jahre verzichtet, soweit nicht wichtige Ereignisse einer Erw\u00e4hnung bed\u00fcrfen. Die jeweiligen K\u00f6nige und K\u00f6niginnen sind in der Anlage aufgef\u00fchrt.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1946 \u2013 1959 Die amerikanischen Truppen hatten Oberkassel am 19. M\u00e4rz 1945 besetzt. F\u00fcr die Bev\u00f6lkerung galt es vordringlich, den Bedarf des t\u00e4glichen Lebens zu decken. 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