{"id":159,"date":"2013-07-29T09:22:52","date_gmt":"2013-07-29T07:22:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.test.jmj-online.de\/?page_id=159"},"modified":"2024-05-24T11:47:04","modified_gmt":"2024-05-24T10:47:04","slug":"kapitel-2-die-schutzen-treten-in-erscheinung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.jmj-online.de\/?page_id=159","title":{"rendered":"Kapitel 2: Die Sch\u00fctzen treten in Erscheinung"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1819 &#8211; 1856<\/h3>\n\n\n\n<p>Mit dem Jahre 1819 beginnt eine entscheidende Ver\u00e4nderung in der Geschichte der Bruderschaft. Die bisher kirchliche Gebetsbruderschaft wandelte sich zur Sch\u00fctzenbruderschaft und entwickelte sich damit, wenn auch in einem jahrzehntelangen Prozess, in weltlicher Richtung. Warum wurde sie gerade im Jahre 1819 eingef\u00fchrt? In jenem Jahr bestand die Bruderschaft genau 25 Jahre. Das erste K\u00f6nigsvogelschie\u00dfen k\u00f6nnte ein Beitrag zum Jubil\u00e4um gewesen sein. Auch gab es in diesem Jahr einen Wechsel des Pr\u00e4ses. Mit Pfarrer Hund trat 1819 ein neuer Pastor in Oberkassel seinen Dienst an, der zugleich der 3. Pr\u00e4ses der Bruderschaft war. Es darf angenommen werden, dass das Zusammentreffen des Jubil\u00e4ums und der Einf\u00fchrung des neuen Pr\u00e4ses eine gute Gelegenheit bot, das Vogelschie\u00dfen in die Bruderschaft einzuf\u00fchren. M\u00f6glicherweise hatte man dies schon l\u00e4nger vorgehabt. Es gab in den Nachbargemeinden bereits Sch\u00fctzenbruderschaften, die schon \u00fcber 100 Jahre bestanden. Vielleicht wollte man in Oberkassel diesen nacheifern?<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00e4ltesten uns vorliegenden, leider undatierten Regeln der Bruderschaft enthalten bereits einige Bestimmungen \u00fcber den Sch\u00fctzenzug (Aufzug), das Vogelschie\u00dfen und den Sch\u00fctzenzug. Es hei\u00dft dort:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>\u00a710 Wird ein Aufzug gehalten, so werden die Kosten von allen Mitgliedern der Bruderschaft bezahl.<\/li><li>\u00a711 Um allen Einwendungen vorzubeugen, darf keiner, welcher nicht in der Bruderschaft ist, wenn nach dem Vogel um einen neuen K\u00f6nig geschossen wird zugelassen werden, worauf der Brudermeister auf das strengste zu achten hat.<\/li><li>\u00a712 Wer die Rechnung \u00fcber die ergangenen Kosten des Aufzuges einsehen will, kann dieselbe jederzeit in der Wohnung des Brudermeisters sich vorlegen lassen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"544\" height=\"692\" src=\"http:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-13_Pfeiffer.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1458\" srcset=\"https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-13_Pfeiffer.jpg 544w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-13_Pfeiffer-236x300.jpg 236w\" sizes=\"(max-width: 544px) 100vw, 544px\" \/><figcaption> <em>K\u00f6nigsschild des<\/em> <em>1. Sch\u00fctzenk\u00f6nigs<br>Christian Pfeiffer<\/em> <em>und der K\u00f6nigin Margaretha Hombitzer, 1819<\/em> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Welche Gr\u00fcnde auch immer f\u00fcr das Einf\u00fchren des K\u00f6nigsvogelschie\u00dfens ausschlaggebend gewesen sein m\u00f6gen, jedenfalls wurde mit Christian Pfeiffer der erste Sch\u00fctzenk\u00f6nig der Bruderschaft ermittelt. Die erste K\u00f6nigin hie\u00df Margaretha Hombitzer. Christian Pfeiffer wurde am 4.10.1798 in Oberkassel als f\u00fcnftes Kind von Anton Pfeiffer und Anna Margaretha Werner geboren. er ist unter der Nummer 131 im Bruderschaftsbuch eingetragen. Als Beruf wurde sp\u00e4ter &#8222;Spezereih\u00e4ndler&#8220; angegeben.12 Die K\u00f6nigin Margaretha Hombitzer (im katholischen Kirchenbuch eingetragen mit Hambitzer) wurde am 14.9.1796 geboren.<\/p>\n\n\n\n<p>Das gut erhaltene K\u00f6nigsschild des ersten Sch\u00fctzenk\u00f6nigs ist in der Form des eisernen Kreuzes ausgef\u00fchrt. Das Eiserne Kreuz, von Karl Friedrich Schinkel entworfen, war vom preu\u00dfischen K\u00f6nig Friedrich Wilhelm III. am 10.3.1813 in Breslau als Tapferkeitsorden f\u00fcr die Dauer des Befreiungskrieges gegen Napoleon und seine Besatzungstruppen gestiftet worden. Man kann also das erste K\u00f6nigsschild als Symbol deuten, sowohl als christliches Zeichen wie auch als Hinweis auf die wehrhafte Rolle der Rheinlande bei der Befreiung von der Herrschaft Napoleons. Hierbei leistete auch der Landsturm vom Siebengebirge mit Oberkasseler Beteiligung seinen Beitrag. Auch das &#8222;Landwehrkreuz&#8220; hatte die Form des eisernen Kreuzes.<\/p>\n\n\n\n<p>An dieser Stelle soll daran erinnert werden, dass Napoleon die S\u00e4kularisation durchsetzte. Die Aufhebung des Kloster Heisterbach und des Stiftes Vilich sowie die Schwierigkeiten, die jede Pfarre mit der franz\u00f6sischen Besatzung hatte, waren den Zeitgenossen in schlechter Erinnerung. Bei Gr\u00fcndung der Bruderschaft im Jahre 1794 besetzten die franz\u00f6sischen Truppen Bonn. 25 Jahre sp\u00e4ter setzte Christian Pfeiffer mit seinem K\u00f6nigsschild ein interessantes Zeichen dahingehend, dass sich christliche und preu\u00dfische Ideale durchgesetzt hatten. Die Heimat war befreit, und der Glaube konnte sich wieder ungehindert entfalten. Die Bruderschaft verstand sich als aktiver Teil der Kirche und als wehrhafter Schutz gegen Angriffe, was seinen sichtbaren Ausdruck bei den Prozessionen in der Begleitung des Allerheiligsten durch die Sch\u00fctzen fand.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gab zwei weitere K\u00f6nige, die das Zeichen des &#8222;Eisernen Kreuzes&#8220; als K\u00f6nigsschild w\u00e4hlten, n\u00e4mlich Theodor Brascho\u00df (1862) und der Jubilark\u00f6nig Hans H\u00fcbel (1951). Die K\u00f6nige von 1833, 1835, 1836, 1837 und 1839 nahmen dieses Symbol in verkleinerter Form in ihr Schild auf.<br>Das Tragen der K\u00f6nigskette geht zur\u00fcck auf die Ehrenkettender Zunftherren, adeliger Ordensgesellschaften und B\u00fcrgermeister. Die K\u00f6nigsketten der Sch\u00fctzen hatten urspr\u00fcnglich nur einen Anh\u00e4nger, der mit dem Bild des Bruderschaftspatrons versehen war. Im 16. Jahrhundert kam die Sitte auf, der Kette weitere Schilder, die von den K\u00f6nigen gestiftet wurden, hinzuzuf\u00fcgen. Bei der Oberkasseler Bruderschaft war es von 1819 an Pflicht des K\u00f6nigs, anl\u00e4sslich seiner K\u00f6nigsw\u00fcrde ein Schild zu stiften. Beim Tod des K\u00f6nigs geht dann das Schild endg\u00fcltig in den Besitz der Bruderschaft \u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"621\" height=\"849\" src=\"http:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-14_Schilderkranz1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1460\" srcset=\"https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-14_Schilderkranz1.jpg 621w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-14_Schilderkranz1-219x300.jpg 219w\" sizes=\"(max-width: 621px) 100vw, 621px\" \/><figcaption> <em>Der heutige Schilderkranz der Bruderschaft\u00a0<\/em> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Bruderschaft ist in der gl\u00fccklichen Lage, fast noch alle Schilder ihrer K\u00f6nige zu besitzen. In Kriegszeiten, in Notzeiten oder auch in Jahren, in denen die Bruderschaft nicht gen\u00fcgend Mitglieder hatte, wurde kein K\u00f6nig ausgeschossen. Die K\u00f6nigsschilder der Bruderschaft sind keine Kunsthistorischen Kostbarkeiten, trotzdem sind sie meist Einzelanfertigungen und stellen gediegenes handwerkliches K\u00f6nnen dar. Vier Schilder aus der ersten Zeit der Sch\u00fctzenbruderschaft tragen das Meisterzeichen eines Goldschmiedes. Alle Schilder tragen inschriftliche, bildliche oder ornamentale Gravuren. Die Formen sind vielf\u00e4ltig und auch vom jeweiligen Zeitgeschmack beeinflusst. Im vorigen Jahrhundert finden wir vielfach die Ordens- oder Wappenform. Ab 1852 ist fast immer \u00fcber dem Schild eine Krone als Zeichen des K\u00f6nigs angebracht. Um die Jahrhundertwende finden wir \u00f6fters den preu\u00dfischen Hoheitsadler, der das Schild kr\u00f6nt. Seit 1952 werden fast ausschlie\u00dflich heimatverbundene Motive auf den Schildern abgebildet.<\/p>\n\n\n\n<p>An das K\u00f6nigsschild des ersten Sch\u00fctzenk\u00f6nigs Christian Pfeiffer ist ein kleiner K\u00f6nigsvogel angeh\u00e4ngt. Er ist Sinnbild der im Wettkampf errungenen Troph\u00e4e. Bei den meisten Sch\u00fctzenbruderschaften d\u00fcrfte ein Adler oder eine Taube als Vorbild f\u00fcr den K\u00f6nigsvogel gedient haben. Der gro\u00dfe silberne K\u00f6nigsvogel, der heute noch die K\u00f6nigskette ziert, ist sicher in den Anfangsjahren der Sch\u00fctzen angeschafft worden, denn er wird bereits im Inventarprotokoll von 1857 erw\u00e4hnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenden wir uns nun der Frage zu, wie das Sch\u00fctzenfest zu Beginn des 18. Jahrhunderts gefeiert wurde. Die bis auf wenige Ausnahmen vorhandenen K\u00f6nigsschilder sind fast die einzigen \u00dcberlieferungen der Bruderschaft, auf die wir uns direkt st\u00fctzen k\u00f6nnen.<br>Einen Hinweis auf den Oberkasseler Sch\u00fctzenzug erhalten wir aus der \u00e4ltesten, uns vorliegenden Kassenabrechnung der Bruderschaft. Hier ist von Tambour und Pfeifen die Rede, die wohl den Aufzug angef\u00fchrt haben. Diese Abrechnung tr\u00e4gt kein Datum, nennt aber den Pastor Weiland, der von 1828 bis 1831 Pfarrer in Oberkassel war. Sie hat folgenden Text:<\/p>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td> <strong>Ausgaben der Bruderschaft JMJ<\/strong> <\/td><td> <strong>Thaler \/<\/strong> <\/td><td> <strong>Groschen<\/strong> <\/td><\/tr><tr><td>dem Herrn Pastor Weiland hab ich bezahlt<\/td><td>1<\/td><td>20<\/td><\/tr><tr><td>die Messe auf Maytag<\/td><td><\/td><td>30<\/td><\/tr><tr><td>dem K\u00fcster Adolph Strack<\/td><td>2<\/td><td>18<\/td><\/tr><tr><td>und eine Stump auf die Kerze<\/td><td>1<\/td><td>36<\/td><\/tr><tr><td>auf Pfingsten eine heilige Messe<\/td><td><\/td><td>30<\/td><\/tr><tr><td>und an den Fanen hab ich machen lassen<br><\/td><td><\/td><td>7<\/td><\/tr><tr><td>noch an Tambour und Pfeifen<\/td><td><\/td><td>50<\/td><\/tr><tr><td>noch eine Strau\u00df und Band an die hl. C\u00e4cilia<\/td><td><\/td><td>50<\/td><\/tr><tr><td><strong>Summa<\/strong><\/td><td><strong>7<\/strong><\/td><td><strong>41<\/strong><\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"619\" height=\"626\" src=\"http:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-16_-Koenigsvogel.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1461\" srcset=\"https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-16_-Koenigsvogel.jpg 619w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-16_-Koenigsvogel-297x300.jpg 297w\" sizes=\"(max-width: 619px) 100vw, 619px\" \/><figcaption> <em>Der silberne K\u00f6nigsvogel\u00a0<\/em> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Zwei ber\u00fchmte Zeitzeugen haben die rheinische Kirmes und das Sch\u00fctzenfest geschildert, wie sie es zu Anfang des vorigen Jahrhunderts miterlebt haben, n\u00e4mlich Gottfried Kinkel und Carl Schurz. In seiner Romanerz\u00e4hlung &#8222;Margret&#8220; schildert Kinkel ein Sch\u00fctzenfest, das er an der Ahr stattfinden l\u00e4sst. Der 1815 in Oberkassel geborene Kinkel gibt hier wohl auch Eindr\u00fccke wieder, die er in seiner Jugendzeit in Oberkassel erlebt hat und die Zeit bis etwa 1830 betreffen. Man kann beispielsweise an seiner genauen Schilderung des Fahnenschwenkens die heute noch gezeigte Darbietung erkennen. Kinkel schreibt zum Beispiel \u00fcber den F\u00e4hnrich: &#8222;&#8230; Trommel und Pfeife spielen eine alte muntere Weise: nach ihrem Rhythmus erhub er die Fahne in die Luft, schwang sie \u00fcber dem Haupte, dann stemmte er den Schaft in die Seite und lie\u00df das flatternde Banner mitten um seinen Leib in weitem Kreise rauschen, dreimal rechts, dreimal links herum. Hierauf erhub er den einen Fu\u00df, und um das Knie des anderen beschrieb die Fahne, dicht am Boden herwehend ohne ihn zu ber\u00fchren, ihre raschen rauschenden Kreise; auch um den rechten Fu\u00df f\u00fchrte sie sodann die andere Hand, w\u00e4hrend der Linke sich erhub sie durchzulassen&#8220;. Kinkel schildert auch das K\u00f6nigsvogelschie\u00dfen und f\u00fchrt aus: &#8222;Gl\u00fcckliche Sch\u00fcsse fegten den Schwanz, die Fl\u00fcgel und zuletzt auch den Kopf weg; ein lautes Triumpfgeschrei der Jugend folgte jedem herabsplitternden Theile, und die kleinen Jungs balgten sich um die Holzsp\u00e4ne.&#8220;13<\/p>\n\n\n\n<p>Carl Schurz beschreibt in seinen Lebenserinnerungen ebenfalls eine rheinische Kirmes und das j\u00e4hrliche Vogelschie\u00dfen in seiner Heimat Liblar. \u00dcber den Sch\u00fctzenzug berichtet er: &#8222;Endlich setzte sich der Zug in Bewegung; voran Hahnen Drickes, der Trommler mit einem Blumenstrau\u00df und bunten B\u00e4ndern geschm\u00fcckt; dann mit der Fahne, die das in grellen Farben gemalte Bild des mit unglaublich vielen Pfeilen durchschossenen heiligen Sebastianus trug, Meister Sch\u00e4fer, ein Schneider, ein wei\u00dfhaariger, spindeld\u00fcrrer Mann, der junge F\u00e4nt (F\u00e4hnrich) genannt, weil sein Vater auch schon die Fahne geschwungen hatte; dann zwei Hauptm\u00e4nner &#8230;; dann zwischen zwei Vorstehern der Gesellschaft der vorj\u00e4hrige Sch\u00fctzenk\u00f6nig mit einer &#8230; schweren silbernen Kette um den Hals. An dieser Kette war eine Menge fast handgro\u00dfer Schilder befestigt, die Namen der Sch\u00fctzenk\u00f6nige wohl eines Jahrhunderts tragend, und von diesen der Bruderschaft geschenkt.&#8220; Schurz beschreibt das Vogelschie\u00dfen und K\u00f6nigskr\u00f6nung, die gleich nach dem letzten Schuss stattfand. Nach dem R\u00fcckmarsch in den Ort kam das &#8222;K\u00f6nigsessen&#8220; in einem Wirtshaus, bei dem der neue Sch\u00fctzenk\u00f6nig den alten und den Vorstand der Bruderschaft einlud.14<\/p>\n\n\n\n<p>Wie man sieht, hat sich an dem von Kinkel und Schurz geschilderten Brauch nicht viel ge\u00e4ndert.<br>Zum Fahnenschwenken sei noch angemerkt, dass die Bewegung, die das Fahnentuch vollf\u00fchrt, an die Fesseln erinnern sollen, mit denen der hl. Sebastian an einen Baum gebunden wurde. Darstellungen des Heiligen zeigen meist den Baum, die Fesseln und die Pfeile, mit denen er durchbohrt wurde. Der hl. Sebastian ist der Schutzpatron aller Sch\u00fctzen. Viele Bruderschaften sind nach ihm benannt, so auch die \u00e4lteste, nicht mehr bestehende Bruderschaft in Oberkassel von 1662.<\/p>\n\n\n\n<p>Das die Kirmes in Oberkassel nicht nur ein Dorffest f\u00fcr die Einheimischen war, schl\u00e4gt sich Zeitungsanzeigen Oberkasseler Wirte nieder. Die \u00e4lteste vorgefundene Anzeige stammt aus dem Jahr 1832. Im Bonner Wochenblatt l\u00e4dt der Gastwirt J.W. Kotzenberg zur Oberkasseler Kirmes f\u00fcr Sonntag, den 19.8.1832 und die folgenden Tage zur Tanzmusik ein. Nach dieser Einladung weist der Schiffer Barthel Werner darauf hin, dass ein &#8222;bedeckter Nachen&#8220; an den Kirmestagen am Mittag um 2 Uhr in Bonn abf\u00e4hrt und dass die R\u00fcckfahrt um 8 Uhr beginnt. Am 18.8.1837 erscheint im Bonner Wochenblatt folgende interessante Anzeige:15<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"662\" height=\"525\" src=\"http:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-17_-Anzeige.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1462\" srcset=\"https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-17_-Anzeige.jpg 662w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-17_-Anzeige-300x238.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 662px) 100vw, 662px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Oberkasseler feierten also damals auch schon an 3 Kirmestagen. Die &#8222;table d\u00b4hote&#8220; ist der Ausdruck f\u00fcr ein gemeinschaftliches Gasthausessen aller G\u00e4ste und die &#8222;Harmonie&#8220; ist eine Unterhaltungsmusik, die nur von Blasinstrumenten dargeboten wurde. F\u00fcr den Kirmesdienstag wird dann das Vogelschie\u00dfen angek\u00fcndigt. Aus dem Anzeigentext k\u00f6nnte man entnehmen, dass alle angek\u00fcndigten Attraktionen beim unterzeichnenden Gastwirt auf seinem Anwesen stattfanden. Ein entsprechender Garten als Austragungsort f\u00fcr das Vogelschie\u00dfen ist denkbar. Es kann aber auch der Sch\u00fctzenzug von dem Gasthof Fuchs ausgezogen sein, um an anderer Stelle das Vogelschie\u00dfen durchzuf\u00fchren. Da nicht mehr zu ermitteln ist, wo die Gastst\u00e4tte Fuchs lag und dort die M\u00f6glichkeit des Vogelschie\u00dfens gegeben war, muss die Frage offen bleiben. In den folgenden 5 Jahren erscheinen diese Anzeigen weiter, obwohl f\u00fcr 1840 &#8211; 1842, also drei Jahre, kein K\u00f6nig der Bruderschaft ermittelt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahre 1844 inseriert Georg Wolff als Gastgeber des Hotel de belle vue. Er zeigt an, dass er &#8222;bei Gelegenheit der hiesigen Kirchmesse in seinem neu erbauten Saale Tanzmusik h\u00e4lt und Dienstag ein Vogelschie\u00dfen veranstaltet.&#8220;16<\/p>\n\n\n\n<p>Im n\u00e4chsten Jahr, 1845, wird von Wolff, der sich jetzt als Gastwirth zur Wolfsburg bezeichnet, ein Vogel- und Sternschie\u00dfen angek\u00fcndigt. Aber der n\u00e4chste K\u00f6nig der Bruderschaft wird erst wieder 1846 ermittelt. Es fand sich wohl nicht f\u00fcr jedes Jahr ein Kandidat, der K\u00f6nig werden wollte oder konnte, denn dies war ja nicht zuletzt auch eine finanzielle Frage. Ob in den Jahren, in denen die Bruderschaft keinen K\u00f6nig ermittelte, trotzdem ein Sch\u00fctzenzug gehalten wurde, wissen wir nicht. Dies scheint aber dem Treiben der Gastwirtschaften keinen Abbruch getan zu haben, wie die j\u00e4hrlichen Anzeigen der Gastwirte erkennen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr 1853 inseriert anl\u00e4sslich der Kirmes der Gastwirt Heinrich Weinstock, Besitzer der Gastst\u00e4tte &#8222;Zum Weingarten&#8220;. Von ihm wissen wir, dass er am 3.4.1800 geboren wurde und Adelheid Rhein heiratete.17 Er hatte wohl zu der Bruderschaft ein gutes Verh\u00e4ltnis, denn \u00f6fters lud er zum Vogelschie\u00dfen ein.18 Dies ist verst\u00e4ndlich, denn er hatte 1821 selbst den Vogel geschossen, war also ehemaliger Sch\u00fctzenk\u00f6nig. Sein K\u00f6nigsschild macht seinem Namen alle Ehre, denn es ist mit Trauben und Bl\u00e4ttern des Weinstocks umrandet.<br>Heinrich Weinstock war sicher ein guter und beliebter Wirt, denn 1858 konnte man nach der Oberkasseler Kirmes folgendes in der Bonner Zeitung lesen: &#8222;Dem biederen Herrn Weinstock statten wir hiermit unseren herzlichen Dank ab f\u00fcr die uns gestern in seinem Weingarten erwiesene Ehre, indem er uns mit reifen Trauben und gr\u00fcnem Laub bekr\u00e4nzte. Die hier verlebten frohen Stunden werden stets in unserem Ged\u00e4chtnis bleiben! Die Ungenannten, aber Wohlbekannten aus Bonn.&#8220;19 Und wo befand sich die Gastst\u00e4tte &#8222;Zum Weingarten&#8220; des Heinrich Weinstocks? Aus sp\u00e4teren Ver\u00f6ffentlichungen wissen wir, dass sie sich an der Ecke Hauptstrasse\/Kirchstrasse (heute K\u00f6nigswinterer Strasse\/Kastellstrasse) befand. Die Gastst\u00e4tte Weinstock \u00fcbernahm am 22.4.1882 Theodor Lintermann. Der Tanzsaal wurde um die Jahrhundertwende noch benutzt, musste aber 1910 abgerissen werden, weil er weit in die Hauptstrasse hineinragte und die Gemeinde die Fl\u00e4che zur Strassenerweiterung und Anlage eines B\u00fcrgersteiges brauchte.20<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1280\" height=\"596\" src=\"http:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-18_Gaststaette-1280x596.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1463\" srcset=\"https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-18_Gaststaette-1280x596.jpg 1280w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-18_Gaststaette-300x140.jpg 300w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-18_Gaststaette-768x358.jpg 768w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-18_Gaststaette.jpg 1299w\" sizes=\"(max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><figcaption> <em>Gastst\u00e4tte Weinstock, sp\u00e4ter Lintermann, an der Ecke Hauptstra\u00dfe\/Kirchstra\u00dfe<br>(heute K\u00f6nigswinterer Stra\u00dfe\/Kastellstra\u00dfe)<\/em> <\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1819 &#8211; 1856 Mit dem Jahre 1819 beginnt eine entscheidende Ver\u00e4nderung in der Geschichte der Bruderschaft. 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