{"id":246,"date":"2013-07-29T13:55:58","date_gmt":"2013-07-29T11:55:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.test.jmj-online.de\/?page_id=246"},"modified":"2024-05-24T11:47:10","modified_gmt":"2024-05-24T10:47:10","slug":"kapitel-4-bruderschaft-und-kirmes-um-die-jahrhundertwende","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.jmj-online.de\/?page_id=246","title":{"rendered":"Kapitel 4: Bruderschaft und Kirmes um die Jahrhundertwende"},"content":{"rendered":"<h3>1884 &#8211; 1918<\/h3>\n<p style=\"text-align:center;\"><a href=\"http:\/\/www.test.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-24_-Fahne.jpg\" data-rel=\"lightbox-gallery-0CgngB7m\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-259\" alt=\"Seite-24_-Fahne\" src=\"http:\/\/www.test.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-24_-Fahne-150x150.jpg\" width=\"309\" height=\"309\" srcset=\"https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-24_-Fahne-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-24_-Fahne-230x230.jpg 230w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-24_-Fahne-80x80.jpg 80w\" sizes=\"(max-width: 309px) 100vw, 309px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align:center;\"><i><strong>Die Schwenkfahne der Bruderschaft von 1884<\/strong><\/i><\/p>\n<p>Im Jahr 1884 konnte die Bruderschaft auf ihr 90j\u00e4hriges Bestehen zur\u00fcckblicken. M\u00f6glicherweise war dies der Anlass, eine neue Schwenkfahne anzuschaffen, die heute noch im Besitz der Bruderschaft ist. Fast mit Sicherheit k\u00f6nnen wir davon ausgehen, dass Friedrich Kniel diese Fahne gemalt hat. Er war Maler- und Dekorationsmeister und unterhielt seit 1860 in Oberkassel eine Zeichenschule, die zeitweise von 50 Sch\u00fclern besucht wurde.23 In der Zeit des Kulturkampfes hat er die katholische Gemeinde als Kirchenvorstandspr\u00e4sident verwaltet. Er hatte wohl auch guten Kontakt zur Bruderschaft, denn aus einem Schriftst\u00fcck geht hervor, dass ihm im Jahre 1886 zur Aufbewahrung im Archiv ein K\u00e4stchen mit den K\u00f6nigsschildern vom Brudermeister Anton Mittler \u00fcbergeben wurde.<\/p>\n<p>Diese Fahne von 1884 zeigt als Mittelpunkt die hl. Familie, also das Patronat der Bruderschaft, in der damals \u00fcblichen farbenfrohen Darstellung. Interessant ist, dass im Hintergrund rechts unten die Pfarrkirche und die neuerbaute katholische Volksschule dargestellt sind. Die Kirche, die 1865 eingeweiht wurde, hatte noch nicht die heute vorhandenen Seitenschiffe und Seiteneing\u00e4nge. Sie tr\u00e4gt auf der Vierung des Kreuzgew\u00f6lbes einen Dachreiter, der aus Holz war. Er wurde bereits vor 1900, wahrscheinlich wegen Sturmschadens, wieder entfernt. In diesem Dachreiter befand sich eine kleine Gu\u00dfstahlglocke.24 Die katholische Kirchengemeinde hat diese im Jahr 1959 der Zivilgemeinde geschenkt, als eine neue Friedhofskapelle gebaut wurde. Dieses kleine Gl\u00f6ckchen l\u00e4utet heute, wenn ein Mitb\u00fcrger zu Grabe getragen wird. Es tr\u00e4gt folgende Inschrift:<\/p>\n<p style=\"text-align:center;\"><strong>GESCHENK DES JUNGGESELLEN<\/strong><br \/><strong>MAX UHRMACHER<\/strong><br \/><strong>PAX TECUM<\/strong><br \/><strong>1867<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align:left;\">Der Friedhof, der zu der damaligen Zeit noch benutzt wurde und um die Kirche herum angelegt war, ist durch einige Grabkreuze angedeutet. Die Berge im Hintergrund deuten die N\u00e4he des Siebengebirges an.<\/p>\n<p>Auch fr\u00fcher war f\u00fcr den Sch\u00fctzenzug eine beh\u00f6rdliche Genehmigung erforderlich. Am 2.8.1885 schreibt der Brudermeister Johann Falkenstein an das &#8222;hochwohll\u00f6bliche B\u00fcrgermeisteramt Oberkassel&#8220;:<\/p>\n<blockquote>\n<p>&#8222;Ihre Wohlgeboren, der B\u00fcrgermeister wollen g\u00fctigst Ihre Genehmigung zu dem bei dem Kirchweihfest in Oberkassel zu veranstaltenden Sch\u00fctzenzug geben. Der Sch\u00fctzenzug wird vorraussichtlich folgende Reihenfolge bekommen: Sonntags fr\u00fch antreten des Zuges, abholen von Hauptmann, zwei Fahnen, Brudermeister und Sch\u00fctzenk\u00f6nig. Alsdann wird der Geistliche abgeholt werden und Marsch nach der Kirche. Nach Beendigung der Kirche nach elf Uhr antreten des Zuges und Fahnenschwenken vor dem Geistlichen. Alsdann werden der Geistliche und der Sch\u00fctzenk\u00f6nig nach Hause geleitet.<\/p>\n<p>Nachmittags wieder antreten des Zuges, wieder abholen des Hauptmannes, Brudermeisters, Fahnen und Sch\u00fctzenk\u00f6nigs und abholen des Geistlichen zum Gottesdienst. Nach Beendigung des Gottesdienstes wird die K\u00f6nigin abgeholt abgeholt werden mit Fahnenschwenken. Alsdann Parade und eingehen zum Saale.<br \/>Die folgenden Tage antreten und abholen gerade wieder wie Sonntags . Das \u00fcbliche Fahnenschwenken wird dann nach dem Wunsche der Leute selbst veranstaltet werden. Von verschiedenen Herren ist selbiges beantragt worden. Dienstags vormittags ist dann noch Marsch nach dem Vogel. Die Bruderschaft und der Sch\u00fctzenzug m\u00f6chten sich dann noch die Ehre ausbitten, Ihm dem Herrn B\u00fcrgermeister, als Ehrenmitglied den ersten Schu\u00df auf den Vogel zu pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p>Nachmittags ist dann Fortsetzung des Vogelschu\u00dfes. Nach Beendigung Kr\u00f6nung des neuen K\u00f6nigs und abholen der K\u00f6nigin, alsdann wieder Parade und Marsch nach dem Vereinslokal.&#8220;25<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Diesem Schreibem war noch eine namentliche Aufstellung von 51 Mitgliedern beigef\u00fcgt, die am Sch\u00fctzenzug teilnehmen werden. Eine erstaunlich gro\u00dfe Zahl f\u00fcr die damalige Zeit. Ansonsten hat sich seit \u00fcber 100 Jahren nichts wesentliches am Ablauf des Kirmesprogramms ge\u00e4ndert. Lediglich wird der Sch\u00fctzenk\u00f6nig nicht mehr Dienstags, sondern heute am Kirmesmontag ermittelt. Allerdings hatte man fr\u00fcher schon einkalkuliert, dass der K\u00f6nigsvogel selten schon am Vormittag fiel. Es wurde gleich f\u00fcr den Nachmittag die Fortsetzung des Schie\u00dfens angesetzt. Die Kr\u00f6nung des K\u00f6nig wurde damals direkt anschlie\u00dfend an das Schie\u00dfen auf dem Schie\u00dfplatz vorgenommen.<\/p>\n<p style=\"text-align:center;\"><a href=\"http:\/\/www.test.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-25_-koenig.jpg\" data-rel=\"lightbox-gallery-0CgngB7m\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-260\" alt=\"Seite-25_-koenig\" src=\"http:\/\/www.test.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-25_-koenig-150x150.jpg\" width=\"339\" height=\"339\" srcset=\"https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-25_-koenig-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-25_-koenig-230x230.jpg 230w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-25_-koenig-80x80.jpg 80w\" sizes=\"(max-width: 339px) 100vw, 339px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align:center;\"><i><strong>Sch\u00fctzenk\u00f6nig Franz Schr\u00f6der<\/strong><\/i><br \/><i><strong>und K\u00f6nigin Elisabeth Hey. 1886<\/strong><\/i><\/p>\n<p style=\"text-align:left;\">Bildmaterial aus der Zeit vor 1900 ist verst\u00e4ndlicherweise nur wenig vorhanden. Fotos, die Sch\u00fctzenk\u00f6nige vor 1900 zeigen, sind selten und meist erst sp\u00e4ter entstanden und stammen aus sp\u00e4teren Lebensjahren. Das erste Originalbild eines K\u00f6nigspaares, es waren Franz Schr\u00f6der und Elisabeth Hey, stammt aus dem Jahre 1886. Ein Jahr sp\u00e4ter lie\u00df sich der Sch\u00fctzenk\u00f6nig Nikolaus Cerfontaine mit seiner K\u00f6nigin Anna H\u00f6lscher beim Fotografen auf die Platte bannen. Sehr leger gibt sich der Sch\u00fctzenk\u00f6nig Jean Saal im Jahre 1897. Ab 1907 haben sich fast alle K\u00f6nigspaare mit Hofstaat dem Fotografen gestellt.<\/p>\n<p>Im \u00e4ltesten Bruderschaftsbuch ist bis gegen Ende des Jahrhunderts kein Protokoll enthalten. Ein solches war wohl in den Anfangsjahren der Bruderschaft nicht erforderlich, denn die \u00c4mter der Brudermeister und Kerzenboten wurden j\u00e4hrlich neu vergeben und dann gleich im Bruderschaftsbuch hinter dem Namen des Mitgliedes vermerkt. Im Bruderschaftsbuch ist 1886 folgendes eingetragen: &#8222;Die am 20ten Juni 1886 in diesem Buche noch als aktive Mitglieder eingeschriebenen Mitglieder sind auf Seite Nr. 32 zur besseren \u00dcbersicht noch einmal neu aufgef\u00fchrt der Reihenfolge nach. Der Brudermeister Anton Mittler.&#8220; Nach dieser Neueintragung waren 54 Junggesellen Mitglieder der Bruderschaft. Einige Eintragungen \u00fcber das Ausscheiden dieser Mitglieder sind interessant. Au\u00dfer dem \u00fcblichen Vermerk &#8222;geheiratet&#8220; finden wir noch folgende Eintragungen: &#8222;Weil er die Bruderwache nicht gethan hat, wozu er bestellt war&#8220;, &#8222;wegen Nichtzahlen der Beitr\u00e4ge&#8220; und &#8222;weil er die Bruderschaft betrogen hat&#8220;. Bei drei Mitgliedern hat der Brudermeister Anton Mittler in der Spalte ausgeschieden vermerkt: &#8222;wegen schlechten Betragens&#8220;. Noch aus einigen anderen Vermerken kann man schlie\u00dfen, dass der Brudermeister Anton Mittler f\u00fcr Ordnung in der Bruderschaft gesorgt hat. Er war nicht nur 1886, sondern auch 1887 und einige Monate 1891\/92 Brudermeister und ist 1892 nach 17j\u00e4hriger Mitgliedschaft freiwillig ausgeschieden.<\/p>\n<p>Bei den Jungfrauen hat Anton Mittler ebenfalls im Jahre 1886 eine Neueintragung vorgenommen. 61 Namen von Jungfrauen schrieb er in das Buch neu ein. Auch hier einige Anmerkungen \u00fcber den Grund des Ausscheidens, die aus dem Rahmen fallen, wie &#8222;Nichtbezahlen der Beitr\u00e4ge&#8220;, &#8222;Im Kloster&#8220; oder &#8222;Verziehenshalber&#8220;. Allerdings scheint es 1888 einen Aufstand unter den weiblichen Angeh\u00f6rigen der Bruderschaft gegeben zu haben, denn wir finden bei sechs Jungfrauen den Vermerk: &#8222;1888 ausgeschieden wegen Opposition gegen die Bruderschaftsregeln. Der Brudermeister W. Henscheid&#8220;.<\/p>\n<p>Die Bruderschaftsregeln wurden 1888 von dem Pfarrer Johann Frank neu aufgestellt. Er schaffte auch ein Protokollbuch an &#8222;zum Zwecke die Regeln und Gebr\u00e4uche bei der Bruderschaft in dieses Buch aufzuf\u00fchren und s\u00e4mtliche Beschl\u00fcsse und Vereinbarungen bei Gelegenheit von Versammlungen der Bruderschaft in dieses Buch zu Protokoll zu nehmen&#8220;. Die Regeln der Bruderschaft sind mit dem \u00fcblichen Vorwort, das wiederum auf das Gr\u00fcndungsjahr 1794 hinweist, an den Anfang des Protokollbuches gestellt. Vergleicht man diese Regeln mit der letzten \u00c4nderung im Jahre 1857 so fallen einige \u00c4nderungen auf. Es wird zun\u00e4chst nochmals der Zweck der Bruderschaft deutlich hervorgehoben, n\u00e4mlich die Vermehrung der \u00f6ffentlichen Andachten, die Hebung des kirchlichen Gottesdienstes und die Aufmunterung zur Aus\u00fcbung der christlichen Liebeswerke. Wird ein Mitglied krank, so bestimmen die Regeln jetzt genau, von wann bis wann die Nachtwache zu halten ist und auch wie lange, n\u00e4mlich im Regelfall 14 Tage. Auf Beschluss des Brudermeisters oder der Vorsteherin kann diese Zeit verl\u00e4ngert werden. Stirbt ein Mitglied, so wird jetzt vorgeschrieben, wann und wie die Totenwache zu halten ist. Die Aufgaben der Kerzenboten werden genannt, n\u00e4mlich das Bestellen der Toten- und Krankenwache, sowie das Bestellen zu einer Generalversammlung. Festgelegt wird auch, dass die Kosten der Musik anl\u00e4sslich der Prozessionen von der J.M.J. Junggesellen-Bruderschaft und der St. Sebastianus-Bruderschaft je zur H\u00e4lfte zu tragen sind. Zur Bestreitung der Ausgaben der Bruderschaft wird ein Monatsbeitrag eingef\u00fchrt, und dem Brudermeister wird vorgeschrieben, wie die Gelder einzusammeln und zu verwalten sind.<\/p>\n<p>Anscheinend hatte das Sch\u00fctzenfest mit dem Sch\u00fctzenzug und dem K\u00f6nigsvogelschie\u00dfen inzwischen einen gr\u00f6\u00dferen Stellenwert in der Bruderschaft erhalten, denn die Bestimmungen hier\u00fcber wurden wie folgt erweitert:<br \/>\u00a7 16 Wird von der Bruderschaft zu Kirmes ein Sch\u00fctzenfest veranstaltet, so kann keiner zu einem Offizier-Dienste zugelassen werden, sowie keiner als Sch\u00fctzenk\u00f6nig hervorgehen, der nicht Mitglied der Bruderschaft ist, oder zu werden beabsichtigt und muss im letzteren Falle bevor er zum Vogelschu\u00dfe oder ein Offizier-Dienst im Sch\u00fctzenzug erh\u00e4lt, sich einschreiben lassen und dem Brudermeister die Einschreibgeb\u00fcr bezahlen.<br \/>\u00a7 17 Der Schilderkranz, welcher zur Zierde des K\u00f6nigs dient beim Sch\u00fctzenfeste und j\u00e4hrlich durch ein neues silbernes Schild von Seiten des neuen K\u00f6nigs vermehrt wird, ist und bleibt ein unver\u00e4u\u00dferliches Eigentum der Bruderschaft. Wer sich unmoralisch betr\u00e4gt und die schuldigen Beitr\u00e4ge nicht bezahlt, wird als unw\u00fcrdiges Mitglied ausgestrichen.<\/p>\n<p>Zusammengefasst kann festgestellt werden, dass die von Pfarrer Frank 1888 revidierten Regeln zeitgerecht erg\u00e4nzt wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align:center;\"><a href=\"http:\/\/www.test.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-28_-koenig.jpg\" data-rel=\"lightbox-gallery-0CgngB7m\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-261\" alt=\"Seite-28_-koenig\" src=\"http:\/\/www.test.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-28_-koenig-150x150.jpg\" width=\"599\" height=\"599\" srcset=\"https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-28_-koenig-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-28_-koenig-230x230.jpg 230w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-28_-koenig-80x80.jpg 80w\" sizes=\"(max-width: 599px) 100vw, 599px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align:center;\"><i><strong>Sch\u00fctzenk\u00f6nigspaar Nikolaus Cerfontaine und Anna H\u00f6lscher, 1887<\/strong><\/i><\/p>\n<p style=\"text-align:left;\">Von dem 51. Sch\u00fctzenk\u00f6nig Nikolaus Cerfontaine wissen wir, dass er 1865 geboren wurde und Anna H\u00f6lscher zur K\u00f6nigin nahm. \u00dcber seinem K\u00f6nigsschild lie\u00df er zwei gekreuzte H\u00e4mmer anbringen, die auf den Basaltabbau deuten. Tats\u00e4chlich war Cerfontaine als Sprengmeister im Steinbruch t\u00e4tig. Er wohnte in Oberkassel in der Zipperstrasse 30. Im Jahre 1937 konnte er mit seiner fr\u00fcheren K\u00f6nigin das goldene K\u00f6nigsjubil\u00e4um feiern. Die K\u00f6nigin heiratete damals den Bruder des Sch\u00fctzenk\u00f6nigs, n\u00e4mlich Johann Josef Cerfontaine. Dieser verungl\u00fcckte am 20.5.1892 beim Beladen (sch\u00fcrgen) eines Lastkahns mit Basalt am Oberkasseler Rheinufer und ertrank.26<br \/>Auf Veranlassung des Pfarrers Frank wurde am 20.9.1891 eine wichtige Versammlung der Bruderschaft einberufen, auf der er wohl die durch den Kulturkampf eingetretenen Missst\u00e4nde beseitigen wollte. Hinzu kam, dass von dem amtierenden Brudermeister Gelder, wahrscheinlich anl\u00e4sslich der Kirmes, veruntreut worden waren und diese Oberkassel verlassen hatte. Pfarrer Frank ersuchte die Bruderschaft, folgende Punkte zu beachten, die dann auch von der Versammlung beschlossen wurden:<\/p>\n<p>1. F\u00fcr die Musik bei der Prozession an Maria Himmelfahrt sind von der Bruderschaft 20 Mark beizusteuern.<br \/>2. Es ist unstatthaft, bei den Kirmesfeierlichkeiten Andersgl\u00e4ubigen die Fahne zu schwenken.<br \/>3. Die Mitglieder des Sch\u00fctzenzuges haben sich bei den Kirmesfeierlichkeiten am Sonntag im Hochamt in voller Uniform in der Kirche aufzustellen.<br \/>4. Zur besseren und sicheren Aufbewahrung wird der Schilderkranz in der Pastorat aufbewahrt.<br \/>5. Der Brudermeister wird nicht mehr wie bisher allj\u00e4hrlich gew\u00e4hlt, sondern solange im Amt bleiben, wie ihm m\u00f6glich sei, das Amt zu verwalten.<br \/>6. Neuanschaffungen sollen nur noch gemacht werden, wenn hierf\u00fcr ein Versammlungsbeschluss vorliegt.<\/p>\n<p style=\"text-align:center;\"><a href=\"http:\/\/www.test.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-29_-koenig.jpg\" data-rel=\"lightbox-gallery-0CgngB7m\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-252\" alt=\"Seite-29_-koenig\" src=\"http:\/\/www.test.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-29_-koenig-150x150.jpg\" width=\"436\" height=\"436\" srcset=\"https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-29_-koenig-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-29_-koenig-230x230.jpg 230w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-29_-koenig-80x80.jpg 80w\" sizes=\"(max-width: 436px) 100vw, 436px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align:center;\"><strong><i>Sch\u00fctzenk\u00f6nigspaar Peter Wirges<\/i><\/strong><br \/><i><strong>und Katharina Heinen, 1891<\/strong><\/i><\/p>\n<p style=\"text-align:left;\">Die strenge Regie des Pfarrers Frank ist unverkennbar. Offensichtlich wurde damals auch schon &#8222;Andersgl\u00e4ubigen&#8220; die Fahne geschwenkt, sonst h\u00e4tte man dies nicht zu verbieten brauchen. Notwendig war sicherlich, die Finanzen der Bruderschaft wieder in Ordnung zu bringen. Ab 1.1.1892 wurden von den Mitgliedern regelm\u00e4\u00dfig Beitr\u00e4ge erhoben, und am 25.3.1892 wurde ein Kassenpr\u00fcfungsausschu\u00df gew\u00e4hlt, der die Jahresrechnung k\u00fcnftig in der Wohnung des Kirchenrendanten zu pr\u00fcfen hatte.<\/p>\n<p>Sch\u00fctzenk\u00f6nig des Jahres 1891 wurde Peter Wirges, K\u00f6nigin war Katharina Heinen. Anton Mittler wurde in der Versammlung am 20.9.1891 wieder zum Brudermeister gew\u00e4hlt. Er hatte dieses Amt jedoch nur vor\u00fcbergehend bis zum 3.4.1892 ausge\u00fcbt, denn dann wurde Theo Ronig sein Nachfolger.<\/p>\n<p>Durch die preu\u00dfische Regierung war angeordnet, dass jede Veranstaltung und jeder Umzug der \u00f6rtlichen Beh\u00f6rde angezeigt werden musste. Der Brudermeister Ludwig Ronig meldete daher am 16.8.1895 f\u00fcr die Kirmes den Sch\u00fctzenzug beim B\u00fcrgermeisteramt an und legte folgendes Teilnehmerverzeichnis vor:27<\/p>\n<p style=\"text-align:center;\"><a href=\"http:\/\/www.test.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-30_-koenig.jpg\" data-rel=\"lightbox-gallery-0CgngB7m\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-254\" alt=\"Seite-30_-koenig\" src=\"http:\/\/www.test.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-30_-koenig-150x150.jpg\" width=\"293\" height=\"293\"><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align:center;\"><i><strong>Sch\u00fctzenk\u00f6nig Jean Saal, 1897<\/strong><\/i><\/p>\n\n<table id=\"tablepress-8\" class=\"tablepress tablepress-id-8\">\n<tbody class=\"row-striping row-hover\">\n<tr class=\"row-1\">\n\t<td class=\"column-1\">Brudermeister<\/td><td class=\"column-2\">Ronig, Ludwig<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-2\">\n\t<td class=\"column-1\">Sch\u00fctzenk\u00f6nig<\/td><td class=\"column-2\">Zimmermann, C.<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-3\">\n\t<td class=\"column-1\">Hauptmann<\/td><td class=\"column-2\">H\u00fclz, Michael<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-4\">\n\t<td class=\"column-1\">Feuerwerker<\/td><td class=\"column-2\">K\u00fcnzler, Heinrich<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-5\">\n\t<td class=\"column-1\">I. Zugf\u00fchrer<\/td><td class=\"column-2\">Lohmar, Wilh. II<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-6\">\n\t<td class=\"column-1\">II. Zugf\u00fchrer<\/td><td class=\"column-2\">Schwarz, Peter<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-7\">\n\t<td class=\"column-1\">F\u00e4hnrich<\/td><td class=\"column-2\">Nolden, Johann<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-8\">\n\t<td class=\"column-1\">Fahnentr\u00e4ger<\/td><td class=\"column-2\">Schell, Heinrich<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-9\">\n\t<td class=\"column-1\">Leibgarde<\/td><td class=\"column-2\">Lohmar, Wilh. I<br \/>\nLenz, Peter<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-10\">\n\t<td class=\"column-1\">Brudermeister-Begleiter<\/td><td class=\"column-2\">Brascho\u00df, Theo<br \/>\nLaufenberg, Joh.<br \/>\nM\u00fcller, Christian<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-11\">\n\t<td class=\"column-1\">Adjutanten<\/td><td class=\"column-2\">Lenz, Ludwig<br \/>\nBrosy, Peter<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-12\">\n\t<td class=\"column-1\">F\u00e4hnrich-Begleiter<\/td><td class=\"column-2\">Falkenstein, Heinr.<br \/>\nEfferz, Peter<br \/>\nWelter, Hermann<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-13\">\n\t<td class=\"column-1\">Fahnentr\u00e4ger-Begleiter<\/td><td class=\"column-2\">M\u00fchlenz, Adolph<br \/>\nNolden, Christian<br \/>\nBellinghausen, Fritz<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-14\">\n\t<td class=\"column-1\">Schlie\u00df-Offiz.<\/td><td class=\"column-2\">Lucas, Johann<br \/>\nTroisdorf, Rudolf<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-15\">\n\t<td class=\"column-1\">Gewehrtr\u00e4ger<\/td><td class=\"column-2\">Troisdorf, Johann<br \/>\nHorbach, Josef<br \/>\nKuttner, Carl<br \/>\nThiesen, Friedrich<br \/>\nMenden, Johann<br \/>\nMenden, Jacob<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<!-- #tablepress-8 from cache -->\n<p style=\"text-align:center;\"><a href=\"http:\/\/www.test.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-30_-fahne.jpg\" data-rel=\"lightbox-gallery-0CgngB7m\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-253\" alt=\"Seite-30_-fahne\" src=\"http:\/\/www.test.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-30_-fahne-150x150.jpg\" width=\"360\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-30_-fahne-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-30_-fahne-230x230.jpg 230w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-30_-fahne-80x80.jpg 80w\" sizes=\"(max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align:center;\"><strong><i>Kirchenfahne von 1895<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Im Jahr 1895 wurde von der Bruderschaft eine neue Fahne angeschafft, die heute noch &#8211; wenn auch stark besch\u00e4digt &#8211; vorhanden ist. Sie zeigt auf der einen Seite die hl. Familie mit der Inschrift &#8222;Jesus, Maria, Josef &#8211; erleuchtet uns, helfet uns, rettet uns&#8220;. Die R\u00fcckseite ist ebenfalls mit einer Inschrift versehen, und zwar &#8222;Bruderschaft von Jesus, Maria und Josef &#8211; 1795 Oberca\u00dfel 1895&#8220;. Das Gr\u00fcndungsjahr ist hier offensichtlich falsch angegeben.<\/p>\n<p>Es ist vielleicht von Interesse, einiges \u00fcber die &#8222;Kirmes&#8220;, mit der die Bruderschaft eng verbunden ist, zu sagen. Bei der rheinischen Kirmes kommen oft, so auch in Oberkassel, das kirchliche Fest, das Sch\u00fctzenfest und der Jahrmarkt zusammen. Sie ist wohl so alt wie die Zeit, in der Kirchen gebaut und geweiht wurden. Abgeleitet ist das Wort &#8222;Kirmes&#8220; von &#8222;Kirchmesse&#8220; oder &#8222;Kirchweihe&#8220;. Diese W\u00f6rter weisen auf den Ursprung hin, n\u00e4mlich auf die Weihe der \u00f6rtlichen Pfarrkirche. Manchmal ist die Kirmes auch mit dem Namensfest des Kirchenpatrons (patrozinium) terminlich verbunden. F\u00fcr Oberkassel kann dies nicht gelten, denn das Fest der hl. C\u00e4cilia f\u00e4llt in den Monat November. Wir k\u00f6nnen daher annehmen, dass es fr\u00fcher eine Kircheinweihung im August, m\u00f6glicherweise zu Maria Himmelfahrt gegeben hat, denn seit Jahrhunderten feiern die Oberkasseler die Kirmes zum Feste Maria Himmelfahrt (15.August) oder am Sonntag darauf. Die \u00e4lteste Nachricht \u00fcber die Kirmes in Oberkassel k\u00f6nnen wir einer Beschwerdeschrift der evangelisch reformierten Gemeinde entnehmen. Hiernach sind Katholiken am 17.8.1682 &#8222;nach sogenanntem Kirmestag&#8220; in das Haus eines Reformierten eingedrungen und haben diesen &#8222;elendig zerschlagen&#8220;.28<\/p>\n<p style=\"text-align:center;\"><a href=\"http:\/\/www.test.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-31_-Anzeige.jpg\" data-rel=\"lightbox-gallery-0CgngB7m\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-255\" alt=\"Seite-31_-Anzeige\" src=\"http:\/\/www.test.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-31_-Anzeige-150x150.jpg\" width=\"278\" height=\"278\" srcset=\"https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-31_-Anzeige-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-31_-Anzeige-230x230.jpg 230w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-31_-Anzeige-80x80.jpg 80w\" sizes=\"(max-width: 278px) 100vw, 278px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align:center;\"><strong><i>Anzeigen einiger Oberkasseler Gastwirte anl\u00e4\u00dflich der Kirmes, 1902<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Neben dem Erinnern und feierlichen Gedenken an die Weihe der Kirche ist die Kirmes schon seit dem Mittelalter von weltlichem Treiben begleitet. Die \u00f6rtlichen Gastwirte, auch in Oberkassel, luden zum gro\u00dfen Tanzvergn\u00fcgen im Saal oder Zelt ein. &#8222;F\u00fcr gute Speisen und Getr\u00e4nke ist bestens gesorgt&#8220;, konnte man in den Zeitungsanzeigen lesen.29 Das so ein Volksfest &#8222;durch Unm\u00e4\u00dfigkeit im Essen und Tunksucht&#8220; ausarten kann, hat bereits C\u00e4sarius von Heisterbach festgestellt. Anl\u00e4sslich einer &#8222;Kirchweih&#8220; berichtet er von den \u00fcblen Folgen der Trunksucht.30 Die Kirmes ist besonders von den Niederl\u00e4ndischen Malern, z.B. Pieter Bruegel, als Bauernkirmes dargestellt worden. Tats\u00e4chlich war sie bis ins vorige Jahrhundert oft das einzige Dorffest, an dem \u00f6ffentlich getanzt werden durfte.<\/p>\n<p>Wie wurde denn die Kirmes um die Jahrhundertwende in Oberkassel gefeiert? Hier\u00fcber gibt es keine schriftlichen Berichte, aber aus den Schilderungen unserer Eltern und Gro\u00dfeltern k\u00f6nnen wir einiges entnehmen. Die Vorbereitungen f\u00fcr die Kirmes fingen auch in Oberkassel damit an, das Haus in Ordnung zu bringen. In den Ortsteilen mit vielen Fachwerkh\u00e4usern wurden die Gefache neu gek\u00e4lkt und die Balken schwarz gestrichen. Wenn man dann auch noch im Innern des Hauses die K\u00fcche neu gestrichen oder das gute Zimmer tapeziert hatte, konnten die Verwandten zu Kirmes kommen. Fr\u00fcher mehr als heute war die Kirmes ein Familienfest, an dem sich die Geschwister im Elternhaus trafen; aber auch Tanten und Onkel wurden gerne eingeladen, zumal die Kinder auf das Kirmesgeld spekulierten. Die Hausfrau war bem\u00fcht, das beste auf den Tisch zu bringen. Hatte man selbst Vieh, dann wurde vor Kirmes geschlachtet und es kam viel Fleisch auf den Tisch. Ein reichhaltiges Essen geh\u00f6rte einfach dazu. In der Woche vor Kirmes hatte die Hausfrau bereits &#8222;Kw\u00e4tsche- oder Appeltaat&#8220; gebacken. War viel Besuch zu erwarten, wurden Bleche mit vorgenanntem Kuchen vorbereitet und zum Abbacken zu dem \u00f6rtlichen B\u00e4cker gebracht. Auch der Kirmesweck (Blatz) war beliebt. Jedenfalls hatte die Hausfrau alle H\u00e4nde voll zu tun. Lediglich ein Besuch des Kirmesmarktes mit den Kleinen oder das Zuschauen bei der Kirmesparade war f\u00fcr sie m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Nicht unerw\u00e4hnt bleiben soll, dass die Kirmes fr\u00fcher, ja, bis nach dem 2. Weltkrieg, den jungen Leuten zum Kennenlernen diente. Hier konnten die Junggesellen und M\u00e4dchen, wenn meist auch unter den Augen der Eltern, tanzen gehen. Viele Oberkasseler Junggesellen haben anl\u00e4sslich der Kirmes ihre sp\u00e4tere Ehepartnerin kennengelernt, und aus manchem Sch\u00fctzenk\u00f6nigspaar wurde ein Ehepaar.<\/p>\n<p>In welchen Lokalen feierten die Oberkasseler um die Jahrhundertwende die Kirmes? Zur Kirmes 1892 luden Josef Eckers und der &#8222;Junggesellen-Verein&#8220;, also die Bruderschaft, zum gro\u00dfen Tanzvergn\u00fcgen ein.31 Eckers war zu dieser Zeit der Gastwirt des Rheinischen Hofes (am Marktplatz), der sich in den Jahren 1904\/1905 &#8222;Bayrischer Hof&#8220; nannte. Unter Franz H\u00fcbel erhielt er wieder die alte Bezeichnung &#8222;Rheinischer Hof&#8220;. Gabriel Adrian lud zur Kirmes 1892 zum gro\u00dfen Tanzvergn\u00fcgen ein, das in dem an der Zipperstrasse heute noch stehenden Fachwerkhaus stattfand. Im Jahr 1898 finden wir eine Anzeige von Jean L\u00f6hr, vormals G. Uhrmacher, der zum Tanzvergn\u00fcgen einlud.32 Er war der Wirt des Gasthofes &#8222;Zum Reichsadler&#8220;, der sich an der Ecke Hauptstrasse\/Baumstrasse (heute K\u00f6nigswinterer Strasse\/Baumstrasse) befand. Aus dem gleichen Jahr liegt eine Anzeige anl\u00e4sslich der Kirmes vom &#8222;Oehmsche Patt&#8220; vor. Heinrich Patt hie\u00df der Inhaber der Gastst\u00e4tte Berghovener Strasse 7. J. Pickenhan war der Inhaber des Gasthofes &#8222;Zur Post&#8220;, Ecke Hauptstrasse\/Weiherstrasse (heute K\u00f6nigswinterer Strasse\/C\u00e4cilienstrasse). Er zeigt 1902 an, dass er an Kirmes Tanzmusik abh\u00e4lt.33<br \/>Oberkassel war um die Jahrhundertwende ein beliebtes Ausflugsziel. Die bevorzugte Lage in der N\u00e4he des Siebengebirges lockte manchen Besucher an. Hiervon profitierte vor allem das Gastst\u00e4ttengewerbe. Immerhin gab es 1902 in Oberkassel 16 Gastst\u00e4tten und Restaurants.34 Die Bruderschaft hatte nun die Qual der Wahl, bei welchem Gastwirt, der einen Tanzsaal hatte, sie ihre Veranstaltungen an der Kirmes abhalten sollte. Einer Anzeige aus dem Jahre 1902 entnehmen wir, dass Ludwig Stommel an allen drei Kirmestagen gro\u00dfes Tanzvergn\u00fcgen abh\u00e4lt, zu dem der Wirt und die &#8222;Sch\u00fctzengesellschaft Oberkassel&#8220;, also die Bruderschaft, einladen. Die Gastst\u00e4tte befand sich im Hause Jakobstra\u00dfe 5 (heute 22), wo es auch einen kleinen Saal gab. Hier hat die Bruderschaft bis 1906 ihre Veranstaltungen abgehalten.35 Wo die Bruderschaft ihre Kirmesb\u00e4lle dann bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges abhielt, ist nicht \u00fcberliefert.<\/p>\n<p style=\"text-align:center;\"><a href=\"http:\/\/www.test.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-32_-Anzeige.jpg\" data-rel=\"lightbox-gallery-0CgngB7m\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-256\" alt=\"Seite-32_-Anzeige\" src=\"http:\/\/www.test.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-32_-Anzeige-150x150.jpg\" width=\"301\" height=\"301\" srcset=\"https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-32_-Anzeige-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-32_-Anzeige-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-32_-Anzeige-230x230.jpg 230w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-32_-Anzeige-80x80.jpg 80w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-32_-Anzeige.jpg 505w\" sizes=\"(max-width: 301px) 100vw, 301px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align:center;\"><strong><i>Anzeige des Gastwirts Gronewald<\/i><\/strong><br \/><strong><i>aus dem Jahre 1906<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Mit Sicherheit hat die Bruderschaft mit ihrem Sch\u00fctzenzug und dem Vogelschie\u00dfen der Kirmes im vorigen Jahrhundert Inhalt und Gepr\u00e4ge gegeben. Allerdings gab es auch schon am Ende des vorigen Jahrhunderts in Oberkassel einen Kirmesmarkt mit Karussells und Buden. Er wurde auf dem Schulhof an der katholischen Volksschule aufgebaut. Hierzu eine Notiz, die in der Presse am 21.8.1899 zu lesen war: &#8222;Obercassel. Zwei Karousselknechte, die am verflossenen Mittwoch auf dem Schulhofe bei dem Aufstellen der Kirmesbuden und der dazugeh\u00f6rigen Wagen mit Fuhrleuten eine schwere Schl\u00e4gerei in Scene gesetzt hat, widersetzten sich, obgleich sie beide von Blut \u00fcberstr\u00f6mten, dem herbeigeeilten Polizeisergeanten. Sie wurden aber schlie\u00dflich doch \u00fcberw\u00e4ltigt. Nachdem im Spritzenhaus ihre Wunden verbunden worden waren, f\u00fchrte man sie geschlossen in das Gef\u00e4ngnis zu K\u00f6nigswinter.&#8220;36<\/p>\n<p>Kehren wir zu dem internen Vereinsleben der Bruderschaft zur\u00fcck. Jubil\u00e4en wurden auch schon im vorigen Jahrhundert gefeiert. Bereits 1869 konnte die Bruderschaft aus Anla\u00df ihres 50j\u00e4hrigen Sch\u00fctzenjubil\u00e4ums (1819) einen Jubilark\u00f6nig k\u00fcren. Er hie\u00df Johann M\u00fcller. Nicht jedes Jahr war ein Sch\u00fctzenk\u00f6nig ausgeschossen worden. Dies lag wohl an den Zeitverh\u00e4ltnissen, aber auch an dem inneren Zustand der Bruderschaft. Den 50. K\u00f6nig ermittelte man im Jahre 1886\/87. Weil das zweite Jahr das eigentliche K\u00f6nigsjahr ist, wurde der Jubilark\u00f6nig, der J.G. Falkenstein hie\u00df, erst 1887 ermittelt. Aus Anla\u00df des 110j\u00e4hrigen Bestehens der Bruderschaft wurde dann 1904 ein Jubil\u00e4umsschie\u00dfen durchgef\u00fchrt. Josef Velten war der gl\u00fcckliche Sch\u00fctze. Vor dem ersten Weltkrieg wurde noch ein Jubil\u00e4um gefeiert, denn man hatte inzwischen den 75. K\u00f6nig der Bruderschaft gekr\u00f6nt. Roland Rosbach wurde 1913 aus diesem Anla\u00df Jubilark\u00f6nig.<\/p>\n<p>Von 1900 bis 1914 sind die Protokolle der Bruderschaft meist darauf beschr\u00e4nkt, die Wahl des jeweiligen Brudermeisters bekanntzugeben. Obwohl die Protokolle f\u00fcr diese 14 Jahre recht d\u00fcrftig sind, enthalten sie trotzdem einige interessante Einzelheiten. So hatte die Bruderschaft zu Beginn dieses Jahrhunderts Schulden, denn auf der Jahresversammlung am 25.3.1901 wurden zur Deckung der vorhandenen Schulden von den anwesenden Mitgliedern 13 Mark eingesammelt. Der Pr\u00e4ses, Pfarrer Berger, gab 3 Mark hinzu und die Brudermeisterin Elisabeth Schwarz lieferte an den neu gew\u00e4hlten Brudermeister Hermann Welter die Betr\u00e4ge ab. Auf dieser Versammlung wurde beschlossen, die Bruderschaftskasse von der Kasse des Sch\u00fctzenzuges zu trennen. Zur Entlastung des Brudermeisters, der bis dahin stets die Kasse verwaltet hatte, wurde Johann Strack zum Kassierer gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p style=\"text-align:center;\"><a href=\"http:\/\/www.test.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-33_-fahne.jpg\" data-rel=\"lightbox-gallery-0CgngB7m\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-257\" alt=\"Seite-33_-fahne\" src=\"http:\/\/www.test.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-33_-fahne-150x150.jpg\" width=\"313\" height=\"313\" srcset=\"https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-33_-fahne-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-33_-fahne-230x230.jpg 230w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-33_-fahne-80x80.jpg 80w\" sizes=\"(max-width: 313px) 100vw, 313px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align:center;\"><i><strong>Fahne der Bruderschaft aus dem Jahr 1905<\/strong><\/i><\/p>\n<p>Die finanzielle Lage der Bruderschaft hat sich dann aber in den Folgejahren gebessert, denn am 25.3.1904 wurde beschlossen, eine neue Schwenkfahne und zwei Sch\u00e4rpen anzuschaffen. Nur ein Jahr sp\u00e4ter wird beschlossen, eine gestickte Kreuzfahne aus der Bruderschaftskasse zu bezahlen. Diese Fahne wird heute noch bei kirchlichen Feiern ausgestellt. Im Jahre 1908 entnehmen wir dem Protokoll, dass der Bruderschaftsstab &#8222;renoviert und neu versilbert&#8220; werden soll. Im Jahre 1907 f\u00e4llt der \u00fcbliche Sch\u00fctzenzug aus. Aus dem Protokoll vom 3.8.1907 ist der Grund ersichtlich. Der Gastwirt Josef Arenz hatte dem Vorstand den Saal versprochen, dann aber vier Wochen vor der Kirmes an Musikanten vermietet.<br \/>Die Protokolle der Jahre 1913 und 1914 sind sehr kurz gehalten und enthalten nur die Wahl des Brudermeisters, der Fahnentr\u00e4ger und die H\u00f6he des Kassenbestandes, der zuletzt 190,88 Mark betrug. Die Zahl der Mitglieder wird 1913 mit 45 und 1914 mit 55 angegeben. Die Jungfrauen treten als Bestandteil der Bruderschaft nicht mehr auf, und seit 1909 wird auch keine Vorsteherin mehr gew\u00e4hlt. Man darf daraus schliessen, dass dieser Zweig der Bruderschaft bereits vor dem 1. Weltkrieg eingegangen ist. Mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges stellte die Bruderschaft alle Aktivit\u00e4ten ein.<\/p>\n<p style=\"text-align:center;\"><a href=\"http:\/\/www.test.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-34_-jeloesch.jpg\" data-rel=\"lightbox-gallery-0CgngB7m\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-258\" alt=\"Seite-34_-jeloesch\" src=\"http:\/\/www.test.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-34_-jeloesch-150x150.jpg\" width=\"498\" height=\"498\" srcset=\"https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-34_-jeloesch-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-34_-jeloesch-230x230.jpg 230w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-34_-jeloesch-80x80.jpg 80w\" sizes=\"(max-width: 498px) 100vw, 498px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align:center;\"><strong><i>Das Sch\u00fctzenk\u00f6nigspaar Roland Rosbach und Gertrud Harffen mit Begleitern, 1912\/13<\/i><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1884 &#8211; 1918 Die Schwenkfahne der Bruderschaft von 1884 Im Jahr 1884 konnte die Bruderschaft auf ihr 90j\u00e4hriges Bestehen zur\u00fcckblicken. 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