{"id":363,"date":"2013-07-30T08:46:46","date_gmt":"2013-07-30T06:46:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.test.jmj-online.de\/?page_id=363"},"modified":"2024-01-26T14:03:42","modified_gmt":"2024-01-26T13:03:42","slug":"kapitel-5-mehrere-jubilaen-und-viele-theaterauffuhrungen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.jmj-online.de\/?page_id=363","title":{"rendered":"Kapitel 5: Mehrere Jubil\u00e4en und viele Theaterauff\u00fchrungen"},"content":{"rendered":"<h3>1919 &#8211; 1932<\/h3>\n<p>Nach dem verlorenen 1. Weltkrieg hatte sich auch in Oberkassel vieles ge\u00e4ndert. Die wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnisse waren katastrophal, Hunger und Arbeitslosigkeit pr\u00e4gten den Alltag. Zun\u00e4chst waren kanadische, dann englische und ab Februar 1920 franz\u00f6sische Besatzungstruppen im Ort. Eine Kirmes mit Sch\u00fctzenzug im Jahre 1919 zu halten war einfach nicht m\u00f6glich, weil die Vorraussetzungen hierf\u00fcr noch nicht gegeben waren. Nun war aber das Jahr 1919 f\u00fcr die Bruderschaft ein ganz besonderes Jubil\u00e4umsjahr, denn sie bestand seit 125 Jahren, und seit einem Jahrhundert wurde ein Sch\u00fctzenzug mit K\u00f6nigsschie\u00dfen veranstaltet.<\/p>\n<p>Johann Gemein war der letzte Brudermeister vor dem 1. Weltkrieg gewesen. Er berief die Mitglieder der Bruderschaft zu einer Versammlung ein, zu der er vorher die Genehmigung der Besatzungsm\u00e4chte eingeholt hatte. Sie fand am 30.8.1919 im Restaurant H\u00fcbel statt. Auf dieser Versammlung gedachte man zuerst der 12 Bruderschaftsmitglieder, die im Krieg gefallen waren. Dann wurde Nikolaus Werner zum 1. Brudermeister gew\u00e4hlt. Wie sich sp\u00e4ter zeigte, hatte die Bruderschaft mit diesem Mann eine gute Wahl getroffen. Schon auf dieser ersten Versammlung nach dem Krieg wurde angeregt, das gro\u00dfe Jubil\u00e4um der Bruderschaft zu feiern. Dies war aber nicht mehr im Jahre 1919 zu schaffen. Noch drei weitere Versammlungen unter Einbeziehung der alten K\u00f6nige folgten, und das Programm f\u00fcr das Jubil\u00e4um stand, welches dann im Mai 1920 gefeiert wurde.<\/p>\n<p>Das Jubelfest anl\u00e4sslich des 100j\u00e4hrigen Bestehens der &#8222;Sch\u00fctzenbruderschaft&#8220; am 8. und 9. Mai 1920 fand eine gro\u00dfe Beteiligung bei den \u00fcbrigen Ortsvereinen und vor allem bei der Bev\u00f6lkerung.<sup title=\"Oberkasseler Zeitung, Jahrg. 1920, Nr. 39.\"><span style=\"font-size: xx-small;\">37<\/span><\/sup> Es war schlie\u00dflich das erste Dorf- und Heimatfest seit 1914. Der Brudermeister Nikolaus Werner hatte durch pers\u00f6hnliche R\u00fccksprache bei der franz\u00f6sischen Besatzungsmacht in Siegburg erreicht, dass das Jubelfest nach alter Tradition durchgef\u00fchrt werden konnte. Samstagabend fand ein Fackelzug durch den Ort statt und danach eine Festversammlung im katholischen Vereinshaus. Nach dem Gru\u00dfwort des B\u00fcrgermeisters Richard N\u00fccker hielt Prof. Dr. Kappes die Festrede. Eine aufwendig gestaltete Bilderchronik wurde von Christian Schonauer der Bruderschaft \u00fcberreicht. Am Sonntagmorgen war bereits um 5.00 Uhr Wecken durch das Tambourcorps. Nach dem Hochamt wurde zu Ehren des Pfarrers auf dem Schulhof, der die Zuschauermengen nicht fassen konnte, die Fahne geschwenkt. Auch zum Vogelschie\u00dfen hatte sich eine gro\u00dfe Menschenmenge eingefunden. Den Vogel f\u00fcr das Jahr 1919 schoss Johann Holtorf, der Gretchen Bertram zur K\u00f6nigin erkor. Jubilark\u00f6nig wurde Johann Lenz, der eigens von D\u00fcsseldorf angereist war.<\/p>\n<p>Die Festlichkeiten des Jubil\u00e4ums waren ohne unliebsame Zwischenf\u00e4lle verlaufen, hatten aber der Bruderschaft Schulden in H\u00f6he von 1.394,10 Mark gebracht. Der Brudermeister Peter Betz teilte dem B\u00fcrgermeister von Oberkassel seine Sorgen mit und erw\u00e4hnte, dass man zur Deckung des Fehlbetrages wahrscheinlich die Wertsachen der Bruderschaft verkaufen m\u00fcsste.38 Der Gemeinderat lie\u00df es soweit nicht kommen und genehmigte einen Zuschuss von 700,00 Mark. Die Oberkasseler Kirmes wurde im August des Jahres 1920 wieder in altbew\u00e4hrter Weise durchgef\u00fchrt. Die Bruderschaft hatte sich auch finanziell wieder erholt, denn schon im n\u00e4chsten Jahr bestellte sie bei der Godesberger Fahnenfabrik eine neue Schwenkfahne.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.test.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-36_-gruppe.jpg\" data-rel=\"lightbox-gallery-yus60trQ\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-365\" src=\"http:\/\/www.test.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-36_-gruppe-150x150.jpg\" alt=\"Seite-36_-gruppe\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-36_-gruppe-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-36_-gruppe-230x230.jpg 230w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-36_-gruppe-80x80.jpg 80w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em><strong>Der Sch\u00fctzenzug mit dem K\u00f6nigspaar<\/strong><\/em><br \/>\n<em><strong>Johann Holtorf und Gretchen Bertram in Meerhausen, 1920<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Es darf nicht vergessen werden, dass Oberkassel von den Siegerm\u00e4chten besetztes Gebiet war und alle Veranstaltungen von der &#8222;Hohen Interalliierten Rheinlandkomission&#8220; in Siegburg genehmigt werden mussten. Diese machte dann auch f\u00fcr das Fahnenweihfest am 7.5.1922 folgende Auflagen:<\/p>\n<ol>\n<li>Dass das Beflaggen der H\u00e4user am 6. und 7. Mai unter der Bedingung steht, dass sich dabei keine Fahnen in Nationalfarben finden.<\/li>\n<li>Dass das B\u00f6llerschie\u00dfen am 6. und 7. Mai bewilligt wird, wenn es im Zusammenhang mit den \u00f6rtlichen Polizeiregeln geschieht.<\/li>\n<li>Dass der Festzug am 7. Mai nur unter der Bedingung bewilligt wird, dass er nicht im Gleichschritt stattfindet.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Der deligierte der H.C.I.T.R.<br \/>\nSiegburg<br \/>\ngez. Conrcy<\/p>\n<p>Diese einschr\u00e4nkenden Bestimmungen, hinzu kam noch das Verbot des Parademarsches und der milit\u00e4rischen Kommandos, mussten bis zum Abzug der Besatzungsm\u00e4chte aus dem Rheinland eingehalten werden. W\u00e4hrend der Brudermeister Nikolaus Werner im ersten Jahr bei der franz\u00f6sischen Besatzungsmacht viel Verst\u00e4ndnis fand, war es ein paar Jahre sp\u00e4ter schwieriger geworden. Bei einer Kirmes wurde von einem franz\u00f6sischen Offizier der Sch\u00fctzenzug beobachtet, um festzustellen, ob auch alle Auflagen eingehalten w\u00fcrden. Werner ging mit dem Offizier am Mittag in die Gastst\u00e4tte Lippischer Hof am Marktplatz und trank ein Glas Wein mit ihm, wobei der Offizier darauf hinwies, dass der Marschtritt nicht erlaubt sei und er im Wiederholungsfall den Sch\u00fctzenzug verbieten m\u00fcsse. Der Brudermeister entfernte sich dann aus dem Lokal, wobei ihm der Gastwirt Nielsen ins Ohr fl\u00fcsterte: &#8222;\u00fcberlass den Franzosen mir&#8220;. Er gab ihm zum guten Mittagessen soviel Wein, dass er am Nachmittag den Sch\u00fctzenzug nicht mehr gesehen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.test.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-37_-faehnrich.jpg\" data-rel=\"lightbox-gallery-yus60trQ\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-367\" src=\"http:\/\/www.test.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-37_-faehnrich-150x150.jpg\" alt=\"Seite-37_-faehnrich\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-37_-faehnrich-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-37_-faehnrich-230x230.jpg 230w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-37_-faehnrich-80x80.jpg 80w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><em>F\u00e4hnrich Franz Wirges mit den Begleitern<\/em><\/strong><br \/>\n<strong><em>Josef Wichterich und Heinz R\u00f6nz, 1926<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Wie man sich denken kann, nahm die Bruderschaft freudig an der Feier zur Rheinlandbefreiung in der Nacht vom 31.1. auf den 1.2.1926 teil. Auf dem Marktplatz schwenkten die F\u00e4hnriche Franz Wirges und Wilhelm Kurth die Fahne der Bruderschaft.<\/p>\n<p>Im Inflationsjahr 1923 waren die Vorraussetzungen, eine Kirmes zu feiern, denkbar schlecht. Der Beitrag zur Bruderschaft betrug am 1.7.1923 als Monatsbetrag 115.000 Mark. Der Wert des Geldes sank von Woche zu Woche. Der Dollarkurs betrug Mitte August 1923: 1 Dollar = 3.800.000 Mark! Die Preise f\u00fcr Brot wurden am 19.8.1923 wie folgt festgesetzt: \u00be Pfund Graubrot = 115.000 und f\u00fcr Schwarzbrot = 95.000 Mark. Der Notzeit entsprechend wurde die Kirmes 1923 nur verk\u00fcrzt durchgef\u00fchrt. Bereits sonntags fand das K\u00f6nigsvogelschie\u00dfen statt, bei dem Nikolaus Werner den Vogel von der Stange holte. Seine K\u00f6nigin war Elise Brascho\u00df. Die Begleiterpaare hie\u00dfen Wilhelm Kurth und Agnes Brascho\u00df sowie Mattias Krahe und Anna Thomas. Der K\u00f6nigsball fand im Lokal H\u00fcbel statt. Montags war dann kein Umzug, sondern nur ein Kirmesball.<\/p>\n<p>Trotz aller Schwierigkeiten, insbesondere finanzieller Art, wurden die anfallenden Jubil\u00e4en in echt rheinischer Art gefeiert. Au\u00dfer dem bereits geschilderten 100j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um als Sch\u00fctzenbruderschaft fielen noch einige andere Jubil\u00e4en an. Da war als n\u00e4chstes die Jahrtausendfeier des Rheinlandes. Aus diesem Anlass wurde ein Jubilark\u00f6nig, man nannte ihn den &#8222;Jahrtausendk\u00f6nig&#8220;, ausgeschossen. Dieses Fest fand am 10.5.1925 statt und war mit einer Fahnenweihe verbunden. Jubilark\u00f6nig wurde Johann K\u00fcnzler.<\/p>\n<p>Zur Wiederkehr des 50, K\u00f6nigsjahres von Peter Thomas, ihrem \u00e4ltesten Sch\u00fctzenk\u00f6nig, hatte die Bruderschaft alle inzwischen verheirateten Mitgliedern aufgerufen, an dem Festzug am 6.5.1928 teilzunehmen. Schon die Festfeier am Samstagabend zeigte, welche Wertsch\u00e4tzung der Jubilar geno\u00df. Die Begr\u00fc\u00dfungsrede hielt der 1. Brudermeister Theodor Trommeschl\u00e4ger, B\u00fcrgermeister N\u00fccker gratulierte im Namen der Gemeinde Oberkassel, die Festrede hielt Wilhelm Commans, und f\u00fcr die ehemaligen K\u00f6niginnen gratullierte Gertrud D\u00fcppen.39 Der Festzug am Sonntag war sehenswert. Nahmen doch die ehemaligen Zugteilnehmer in gro\u00dfer Zahl, unter dem Kommando des 88j\u00e4hrigen Hauptmannes Stefan Rhein, teil. F\u00fcnf F\u00e4hnriche zeigten ihre Kunst beim Fahnenschwenken. Dieses Jubil\u00e4um war ein gro\u00dfes Fest f\u00fcr die ganze Gemeinde Oberkassel.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.test.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-38_-kroenung.jpg\" data-rel=\"lightbox-gallery-yus60trQ\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-368\" src=\"http:\/\/www.test.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-38_-kroenung-150x150.jpg\" alt=\"Seite-38_-kroenung\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-38_-kroenung-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-38_-kroenung-230x230.jpg 230w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-38_-kroenung-80x80.jpg 80w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em><strong>Kr\u00f6nung auf dem Marktplatz, 1930<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Schon zwei Jahre sp\u00e4ter konnte die Bruderschaft zur Kirmes 1930 das goldene Jubelfest des Johann K\u00fcnzler sen. feiern. Es begann am Kirmesdienstag mit einer Festfeier im kath. Vereinshaus. Die Festfeier und die K\u00f6nigsparade auf der Hauptstrasse, an der 42 ehemalige und 46 aktive Mitglieder teilnahmen, gestalteten sich \u00e4hnlich wie die vorhergehende Jubelfeier des Peter Thomas. Trotz aller zeitbedingten Schwierigkeiten nahm das Fest einen harmonischen Verlauf.40<\/p>\n<p>Auch im n\u00e4chsten Jahr konnte man wieder ein goldenes K\u00f6nigsjubil\u00e4um feiern, das des Wilhelm Commans, eines ortsbekannten Heimatfreundes. Weil im Jahr 1931 nur Sonntag und Montag ein Sch\u00fctzenk\u00f6nig durch den Ort ging, war der Kirmesdienstag dem Jubilar gewidmet. Die Festrede hielt der \u00e4lteste der ehemaligen Sch\u00fctzenk\u00f6nige, Peter Thomas, und Gertrud D\u00fcppen sprach den Festprolog. Gl\u00fcckw\u00fcnsche \u00fcberbrachten unter anderem der Gemeindevorsteher Wilhelm Thomas und f\u00fcr den Verband der Ortsvereine deren Vorsitzender Johann Hoitz.41<br \/>\nNat\u00fcrlich fielen in den zwanziger Jahren auch 25- und 40j\u00e4hrige Jubil\u00e4en an. Die Jubilare wurden durch Fahnenschwenken geehrt, ein besonderer Festakt fand aber nicht statt.<\/p>\n<p>Es ist schon erstaunlich, wie es die Bruderschaft fertigbrachte, trotz der schlechten wirtschaftlichen Lage einen Sch\u00fctzenzug und die Tanzveranstaltung durchzuf\u00fchren. Allerdings wurde 1927 dar\u00fcber nachgedacht, die Kirmesfeierlichkeiten ausfallen zu lassen. In der Presse erschien ein Artikel mit der \u00dcberschrift &#8222;Ohne Sch\u00fctzenzug keine Kirmes&#8220;, und er wies darauf hin, dass die Bruderschaft ohne finanzielle Hilfe der Oberkasseler Bev\u00f6lkerung den Kirmesaufzug nicht halten k\u00f6nne.42 Auf einer Monatsversammlung wurde bekannt, dass bei Ausfall der Kirmesfestlichkeiten die St. Hubertus-Sch\u00fctzengesellschaft sich bereit erkl\u00e4rt h\u00e4tte, den Sch\u00fctzenzug durchzuf\u00fchren und auch bei der Prozession den Baldachin zu tragen. Soweit lie\u00df es die Bruderschaft dann doch nicht kommen und f\u00fchrte die Kirmes 1927 nach altem Brauch durch.<\/p>\n<p>Die Kirmesveranstaltungen der Bruderschaft in den zwanziger Jahren liefen im wesentlichen in der traditionellen Weise und der heute noch \u00fcblichen Reihenfolge ab. Dennoch gab es einige \u00c4nderungen, die erw\u00e4hnenswert sind. Die K\u00f6nigskr\u00f6nung wurde fr\u00fcher direkt auf dem Schie\u00dfstand vorgenommen. Erstmalig zur Kirmes 1928 fand sie auf dem Marktplatz statt. Auch wurde damals beschlossen, dass die alten K\u00f6nige an der K\u00f6nigskr\u00f6nung teilnehmen, das war offensichtlich bis dahin nicht der Fall gewesen.<\/p>\n<p>Bis 1924 wurde das K\u00f6nigsvogelschie\u00dfen auf dem Schie\u00dfstand der St. Hubertus-Sch\u00fctzengesellschaft am M\u00e4rchensee ausgetragen. Von 1925 an wurde im Steinbruch von Peter Uhrmacher geschossen. Eine weitere \u00c4nderung wurde auf einer Versammlung am 5.8.1928 beschlossen. Man wollte nicht, dass ein Mitglied zweimal Sch\u00fctzenk\u00f6nig wird, und bestimmte, dass der Junggeselle, der bereits K\u00f6nig gewesen ist, nur einen Ehrenschuss abgeben d\u00fcrfte. Allerdings k\u00f6nne er f\u00fcr ein Mitglied, welches nicht in der Lage sei, selbst zu schie\u00dfen, stellvertretend den Schuss abgeben, allerdings m\u00fcsse das jeweilige Mitglied die linke Hand auf das Gewehr legen.<\/p>\n<p>Eine Besonderheit hatte das Vogelschie\u00dfen bei der Kirmes 1929. Schon nach den ersten Sch\u00fcssen hatte der 1. Brudermeister Mathias Krahe den Vogel heruntergeholt. Unter dem Jubel der Zuschauer wurde er begl\u00fcckw\u00fcnscht, aber zu fr\u00fch. Der Vogel war mit der Eisenstange heruntergekommen, w\u00e4hrend nach m\u00fcndlicher \u00dcberlieferung der Vogel geteilt zur Erde fallen muss. Der Vogel wurde daher wieder auf die Stange gesetzt, und das Ringen um die K\u00f6nigsw\u00fcrde begann erneut. Gegen 14.00 Uhr beim 96. Schuss gelang es dem langj\u00e4hrigen F\u00e4hnrich Franz Wirges, die K\u00f6nigsw\u00fcrde zu erringen.<\/p>\n<p>Schon bald nach Ende des 1. Weltkrieges f\u00fchrten die Oberkasseler Vereine etliche Theaterst\u00fccke auf. Auch die Bruderschaft hatte bereits am 18.1.1920 zu einem humoristischen Theaterabend eingeladen, und dieser wurde mit gutem Besuch belohnt. Auch im folgenden Jahr wurde ein Theaterabend gehalten, und so setzten sich diese Auff\u00fchrungen fast in jedem Winterhalbjahr fort. So spielte man im Jahre 1927 &#8222;Der Sohn des Kreuzfahrers&#8220;. Oberkassel wurde in den zwanziger Jahren auch bekannt durch sein Naturtheater am M\u00e4rchensee. Hier fanden sogar Auff\u00fchrungen der K\u00f6lner Oper statt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.test.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-39_-theater.jpg\" data-rel=\"lightbox-gallery-yus60trQ\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-369\" src=\"http:\/\/www.test.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-39_-theater-150x150.jpg\" alt=\"Seite-39_-theater\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-39_-theater-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-39_-theater-230x230.jpg 230w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-39_-theater-80x80.jpg 80w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><em>Die Auff\u00fchrung des Theaterst\u00fcckes &#8222;Spielb\u00e4hn&#8220;, 1931<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Auf der Mitgliederversammlung am 26.9.1931 beschloss die Bruderschaft, wieder ein Theaterst\u00fcck aufzuf\u00fchren und w\u00e4hlte das St\u00fcck &#8222;Spielb\u00e4hn&#8220; aus, das Christian Schonauer verfasst hatte. Wer war &#8222;Spielb\u00e4hn&#8220;? Dieser hie\u00df richtig Bernhard Rembolt und wurde 1689 in Eschmar bei Siegburg geboren. Er machte f\u00fcr die M\u00f6nche auf dem Michelsberg Besorgungen und Boteng\u00e4nge. Der Abt hatte ihm eine Geige geschenkt, weil er offensichtlich musikalisch begabt war. Man nannte ihn daher &#8222;Spielb\u00e4hn&#8220;, aber auch der &#8222;L\u00fcgb\u00e4hn&#8220; machte die Runde. Dies kam daher, weil er merkw\u00fcrdige Prophezeihungen machte, die auch eingetreten sein sollen. Bekannt ist der Brand der Abtei auf dem Michelsberg, den er vorhergesagt hatte. Weil man ihn der Brandstiftung verd\u00e4chtigte, musste er mehrere Monate in Honnef einsitzen.43<\/p>\n<p>Der Verfasser des St\u00fcckes, Christian Schonauer, hatte Spielb\u00e4hn in unsere Heimat verpflanzt und das Leben und Treiben des Volkes in der napoleonischen Zeit geschildert. So traten der Abt von Heisterbach, der B\u00fcrgermeister H\u00fclder von Dollendorf, aber Winzer aus Oberkassel auf. Altes Brauchtum, z. B. das Aufsagen des &#8222;J\u00fc-Spruches&#8220; am Polterabend, wurde dargestellt. Die Spielleitung und das B\u00fchnenbild hatte Hans H\u00fcbel \u00fcbernommen, und Lehrer Kissel leistete bei den letzten beiden Proben Hilfestellung. Die Hauptrolle des &#8222;Spielb\u00e4hn&#8220; lag bei Karl Neunkirchen. Insgesamt waren noch 56 Mitspieler im Einsatz, fast alle von der Bruderschaft. Auch drei Damen, n\u00e4mlich Gertrud D\u00fcppen, Hilde Holtorf und Maria Ehl, hatten eine Rolle bekommen.<\/p>\n<p>Der Andrang war so gro\u00df , dass eine Wiederholung am 19.11.1931 erfolgen musste. Es wurde ein \u00dcberschuss erziehlt, denn 75,00 Mk konnten dem Pastor f\u00fcr die Caritashilfe \u00fcbergeben werden und dies bei einem Eintrittspreis von 40 Pfg.<\/p>\n<p>Die Aktivit\u00e4ten der Bruderschaft waren vielf\u00e4ltig. Die Jahresausfl\u00fcge mit Familienangeh\u00f6rigen waren beliebt, so fuhr man nach Oberwinter (1925), nach Linz (1926) und nach Hammerstein (1928). Nach den Ausfl\u00fcgen traf man sich meist noch in der Gastst\u00e4tte &#8222;Zur Rheinlust&#8220; in der Kirchstra\u00dfe (heute Kastellstra\u00dfe) bei der Wirtin Hei, von Junggesellen liebevoll &#8222;Tant&#8220; genannt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.test.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-40_-karren.jpg\" data-rel=\"lightbox-gallery-yus60trQ\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-370\" src=\"http:\/\/www.test.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-40_-karren-150x150.jpg\" alt=\"Seite-40_-karren\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-40_-karren-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-40_-karren-230x230.jpg 230w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-40_-karren-80x80.jpg 80w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><em>Sch\u00fcrreskarrenrennen, 1926<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Im Jahre 1926 hatte sich die Bruderschaft etwas besonderes als Volksbelustigung ausgedacht, n\u00e4mlich ein &#8222;Sch\u00fcrreskarrenrennen&#8220; auf der Wilhelmstra\u00dfe (heute Adrianstra\u00dfe). Es wird hiervon berichtet, dass viele L\u00e4ufer nicht ankamen, weil die Strecke von 80 Metern zu lang war. Erster Sieger wurde Hermann H\u00fcrter, zweiter Hans H\u00fcbel und dritter Wilhelm Krebs. Im Jahr darauf, am 23.10.1927 hatte man auf der Wilhelmstra\u00dfe einen anderen Wettkampf angesetzt und zwar das &#8222;Fassrollen&#8220;. Als Sieger gingen hervor: Paul Jungbluth, Karl Neunkirchen und an dritter Stelle Gerhard Schmitz.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.test.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-42_-koenig.jpg\" data-rel=\"lightbox-gallery-yus60trQ\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-371\" src=\"http:\/\/www.test.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Seite-42_-koenig-150x150.jpg\" alt=\"Seite-42_-koenig\" width=\"150\" height=\"150\"><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><em>Sch\u00fctzenk\u00f6nigspaar Bernhard Alfter<\/em><\/strong><br \/>\n<strong><em>und Magdalene K\u00e4ufer, 1927<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Auf dem Familienfest am 23.10.1927 wurde der neue Pastor, Johannes Averdung, als Pr\u00e4ses der Bruderschaft eingef\u00fchrt. Er war ein beliebter Seelenhirte, nicht nur bei den Junggesellen sondern in der ganzen Gemeinde. Nach den Statuten ist der jeweilige Pastor kraft seines Amtes der Pr\u00e4ses der Bruderschaft. Averdung war stets um das Seelenheil der Mitglieder der Bruderschaft besorgt und empfahl bereits auf der n\u00e4chsten Jahreshauptversammlung, dass die wegen Heirat ausscheidenden Mitglieder der Bruderschaft an die St. Sebastianus-Bruderschaft \u00fcberwiesen werden sollten. Auf der Jahreshauptversammlung am 9.12.1928 stand der Zusammenschluss mit der St. Sebastianus-Bruderschaft auf der Tagesordnung. Es wurde eine l\u00e4ngere Debatte hier\u00fcber gef\u00fchrt, aber zu einem Beschluss kam es nicht. Averdung schlug vor, dass vor der viertelj\u00e4hrlich stattfindenden hl. Kommunion der Mitglieder ein Vortragsabend gehalten werden soll. Er erinnerte immer wieder an die Erf\u00fcllung der religi\u00f6sen Pflichten der Mitglieder.<\/p>\n<p>Am 10.4.1932 beteiligte sich die Bruderschaft an der Primizfeier des Paters Paul Mensing. Die Offiziersdienste begleiteten den Primizianten zur Kirche und zur\u00fcck zur Wohnung. Die Bruderschaft hatte die Ausschm\u00fcckung der Strasse \u00fcbernommen. Schlie\u00dflich \u00fcbermittelte der 1. Brudermeister Hans H\u00fcbel im Namen aller Ortsvereine die Gl\u00fcckw\u00fcnsche.<\/p>\n<p>Die Kirmes des Jahres 1932 spiegelte die Zeitverh\u00e4ltnisse wieder. Nach den Berichten aus dieser Zeit waren \u00fcber die H\u00e4lfte der Mitglieder der Bruderschaft arbeitslos. Der Vorstand hatte nichts unversucht gelassen, um auch in dieser Notzeit die Kirmes an drei Tagen durchzuf\u00fchren, aber diese Bem\u00fchungen blieben ohne Erfolg. Es wurde in diesem Jahr nur ein Sch\u00fctzenzug mit Parade am Kirmessonntag durchgef\u00fchrt. Kirmesmontag und -dienstag fand kein Umzug durch den Ort statt, und auch das K\u00f6nigsvogelschie\u00dfen fiel aus. Es schien fast, als h\u00e4tte Petrus auch mitgespielt, denn die Prozession am Sonntagmorgen konnte wegen eines Gwitterregens nicht den gewohnten Weg durch Oberkassel gehen. Die Bruderschaft trug den Ausfall mit Humor und hielt am Kirmesdienstag auf dem Schulhof eine lustige Gerichtssitzung ab. Angeklagt war der &#8222;\u00e4rme Kirmesk\u00e4rl&#8220;, dem vorgeworfen wurde, er habe in diesem Jahr nicht f\u00fcr die ordnungsm\u00e4\u00dfige Durchf\u00fchrung der Oberkasseler Kirmes gesorgt. Als Zeugen wurden die Gastwirte geh\u00f6rt, denen der Verdienst entgangen war, und drei Oberkasseler M\u00e4dchen. Letztere beschwerten sich, weil sie nicht K\u00f6nigin oder doch wenigstens Begleiterin geworden waren. Schlie\u00dflich wurde der &#8222;\u00e4rme Kirmesk\u00e4rl&#8220; zum Tode durch erh\u00e4ngen verurteilt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.test.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/871.jpg\" data-rel=\"lightbox-gallery-yus60trQ\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-372\" src=\"http:\/\/www.test.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/871-150x150.jpg\" alt=\"87\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/871-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/871-80x80.jpg 80w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><em>K\u00f6nigspaar Hans und Else H\u00fcbel, 1931<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Weil 1932 kein neuer Sch\u00fctzenk\u00f6nig ermittelt wurde, blieb das vorj\u00e4hrige K\u00f6nigspaar Hans H\u00fcbel und seine Schwester Else H\u00fcbel auch in diesem Jahr noch amtierendes Sch\u00fctzenk\u00f6nigspaar. Erst 1933 wurde wieder auf den Vogel geschossen und mit Willi D\u00fcppen ein neuer K\u00f6nig gekr\u00f6nt.<\/p>\n<p>Aus den zwanziger Jahren stammt der zum Teil heute noch vorhandene Brauch der Bruderschaften, sich gegenseitig zu besuchen. Meist Dienstags kamen die Nachbarbruderschaften aus Ober- und Niederdollendorf, Mehlem und Plittersdorf zum Kirmesball nach Oberkassel. Die guten nachbarschaftlichen Beziehungen kamen auch dadurch zum Ausdruck, dass man sich gegenseitig Uniformst\u00fccke und Gewehre auslieh. Zur Kirmes 1926 liehen sich die Oberkasseler Junggesellen f\u00fcr ihren Sch\u00fctzenzug 25 Gewehre von der St. Sebastianus-Bruderschaft Oberdollendorf aus.<\/p>\n<p>Ohne Zweifel hatte die Bruderschaft in den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten viele H\u00f6hepunkte in ihrer Geschichte. Dies ist auch ein Verdienst der jeweiligen Vorst\u00e4nde, aber besonders der damaligen Brudermeister. Es waren dies in den Jahren 1919 bis 1932 Peter Betz, Bernhard Alfter, Theo Trommeschl\u00e4ger, Mathias Krahe und Hans H\u00fcbel. Den langj\u00e4hrigen 2. Brudermeister Jakob Limbach muss man ebenfalls dazurechnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1919 &#8211; 1932 Nach dem verlorenen 1. Weltkrieg hatte sich auch in Oberkassel vieles ge\u00e4ndert. Die wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnisse waren katastrophal, Hunger und Arbeitslosigkeit pr\u00e4gten den Alltag. Zun\u00e4chst waren kanadische, dann englische und ab Februar 1920 franz\u00f6sische Besatzungstruppen im Ort. 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