{"id":82,"date":"2013-07-07T11:35:50","date_gmt":"2013-07-07T09:35:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.test.jmj-online.de\/?page_id=82"},"modified":"2024-05-24T11:46:57","modified_gmt":"2024-05-24T10:46:57","slug":"82-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.jmj-online.de\/?page_id=82","title":{"rendered":"Kapitel 1: Gr\u00fcndung und Anfangsjahre der Bruderschaft"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1794 &#8211; 1818<\/h3>\n\n\n\n<p>Das Gr\u00fcndungsjahr der Jesus-Maria-Josef Junggesellen-Sch\u00fctzenbruderschaft ist 1794.<sup data-fn=\"c6485bc9-66a5-4a9d-b07b-439d426ee8af\" class=\"fn\"><a href=\"#c6485bc9-66a5-4a9d-b07b-439d426ee8af\" id=\"c6485bc9-66a5-4a9d-b07b-439d426ee8af-link\">1<\/a><\/sup> Es ist nat\u00fcrlich von Interesse, wie das Gr\u00fcndungsjahr belegt ist. Das \u00e4lteste vorliegende Bruderschaftsbuch beginnt mit den Worten: &#8222;Regeln der hochl\u00f6blichen Jesus-Maria-Josef Bruderschaft zu Obercassel, aufgerichtet im Jahre 1794 durch seine Hochw\u00fcrden Herrn Jacob Anton Wirz.&#8220;<sup data-fn=\"4a07c278-a1a8-4796-aaf7-3b9a78356eb7\" class=\"fn\"><a href=\"#4a07c278-a1a8-4796-aaf7-3b9a78356eb7\" id=\"4a07c278-a1a8-4796-aaf7-3b9a78356eb7-link\">2<\/a><\/sup> Es fehlen zwar Datum und Unterschrift des Pfarrers, aber die Voranstellung vor den ersten Mitgliedern der Bruderschaft deutet darauf hin, dass es sich hier um die Gr\u00fcndungsregeln der Bruderschaft handelt. Direkt hinter diesen Regeln befindet sich ein Vermerk des Pfarrers Wilhelm Reuff, der offensichtlich sp\u00e4ter nachgetragen wurde, dass die &#8222;Verbesserung und Neuaufstellung&#8220; der Regeln am 11.1.1857 erfolgte. In dieser Neufassung wird wiederum als Gr\u00fcndungsjahr 1794 genannt. Auch in allen sp\u00e4teren \u00c4nderungen der Regeln wird das vorgenannte Jahr best\u00e4tigt. Bei den Eintragungen der ersten Mitglieder im Bruderschaftsbuch steht zwar 1795 eingeschrieben, dies d\u00fcrfte jedoch hinsichtlich des Gr\u00fcndungsjahres ohne Belang sein. Auch eine Kirchenfahne, die im Jahre 1895 angeschafft wurde, tr\u00e4gt die Jahreszahl 1795. Sp\u00e4tere Zweifel am Gr\u00fcndungsjahr, beispielsweise die in der Geschichte des Dekanates K\u00f6nigswinter, Pfarre Oberkassel, gemachte Aussage \u00fcber die Bruderschaft, &#8222;deren Einf\u00fchrung nicht nachzuweisen ist&#8220;, sind ohne Bedeutung.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir k\u00f6nnen also davon ausgehen, dass die Errichtung der Bruderschaft im Jahre 1794 erfolgte. Die Einrichtung f\u00fcr die Oberkasseler Junggesellen erfolgte wohl auch deshalb, weil es in Oberkassel schon eine seit \u00fcber 100 Jahren bestehende Bruderschaft gab, n\u00e4mlich die St. Sebastianus-Bruderschaft von 1662, deren Mitglieder aber nur verheiratete M\u00e4nner und Frauen waren.<sup data-fn=\"d9388c87-c6db-47e1-a5a4-8020fc7b602f\" class=\"fn\"><a href=\"#d9388c87-c6db-47e1-a5a4-8020fc7b602f\" id=\"d9388c87-c6db-47e1-a5a4-8020fc7b602f-link\">3<\/a><\/sup> Es war dem Gr\u00fcnder sicher wichtig, eine Bruderschaft f\u00fcr j\u00fcngere Leute oder f\u00fcr solche einzurichten, die ohne eigene Familie lebten. Eine Bruderschaft unter dem Patronat der hl. C\u00e4cilia bot sich f\u00fcr die Junggesellen nicht an, denn es musste ja auch ein Bezug zwischen Namenspatron und Zielen der Bruderschaft bestehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Bruderschaft unter dem Patronat von Jesus, Maria und Josef, also der heiligen Familie, war eine Bruderschaftsform mit besonderem Anspruch. Die in das Mittelalter zur\u00fcckgehenden Urspr\u00fcnge (unter Papst Pius V. 1571) bezeichnen die Bruderschaft von Jesus, Maria und Josef als &#8222;Christenlehrbruderschaften&#8220; oder als Bruderschaften unter dem Namen der christlichen Lehre. Im 17. Jahrhundert verbreiteten sich diese Bruderschaften in der Erzdi\u00f6zese K\u00f6ln (1646 durch Ferdinand II., 1685 durch Maximilian-Heinrich, Erzbisch\u00f6fe von K\u00f6ln). Es bestanden Bruderschaften mit dem Titel &#8222;Jesus-Maria-Josef&#8220; in Honnef seit 1734, Oberpleis seit 1660, Menden seit 1742, ebenso in K\u00fcdinghoven, Niederpleis und Ittenbach.4 In einigen Orten unserer n\u00e4heren Umgebung befanden sich Bruderschaften, die nach dem St. Sebastian oder dem St. Antonius benannt waren. Erw\u00e4hnenswert sind hier die St. Sebastianus- Junggesellen- Bruderschaft 1659 Oberdollendorf und die gleichen Namens in Niederdollendorf von 1672. Es ist anzunehmen, dass Pfarrer Wirz in Oberkassel eine Gebetsbruderschaft gr\u00fcndete, um ein seelsorgerisches Ziel zu erreichen. Dies l\u00e4sst sich anhand der erw\u00e4hnten \u00e4ltesten Regeln nachvollziehen, denn es hei\u00dft in dem bereits zitierten Eingangssatz weiter: &#8220; &#8230; in nachstehender Ordnung zu Vermehrung der Andacht f\u00fcr hiesige Obercasseler Junggesellen eingerichtet.&#8220; Unter Andacht verstand man nicht eine einzelne Gebetsstunde, sondern die allgemeine Fr\u00f6mmigkeit. F\u00fcr die Junggesellen bedeutete dies konkret, an den Tagen, die in den Regeln genau bezeichnet waren, die Kirche aufzusuchen, die Messe mitzufeiern und zu den Sakramenten zu gehen. Der in den Regeln genannte Begriff &#8222;Bruderschaft&#8220; wird in zweifacher Bedeutung verwendet. Zum einen ist die Bruderschaft die Gemeinschaft der Br\u00fcder, zum anderen ist sie der Termin der Zusammenkunft. Ausgedr\u00fcckt wird dies in der ersten Regel: &#8222;Jeder soll der Bruderschaft, das Jahr hindurch und der halbj\u00e4hrigen Bruderschaft mit Andacht beiwohnen&#8220;. Die zweite Regel lautet: &#8222;An den Tagen Maria Verk\u00fcndigung und Maria Himmelfahrt ist halbj\u00e4hrige Versammlung, an diesen beiden Tagen wie auch am C\u00e4cilienfeste, soll jeder den Opfergang halten.&#8220; Neben Maria Himmelfahrt (15.8.) und Maria Verk\u00fcndigung (25.3.) wird im Prolog der Regeln noch der 1. Mai als einer der Tage genannt, an denen es m\u00f6glich war, Aufnahme in die Bruderschaft zu finden. Auch wurde am 1. Mai eines jeden Jahres vom Brudermeister Rechnung abgelegt. Damit sind drei Daten klar benannt. Die das Jahr hindurch w\u00e4hrende Bruderschaft wird monatlich stattgefunden haben. Bei Maa\u00dfen finden wir, dass an jedem letzten Sonntag des Monats zu Ehren von Jesus, Maria und Josef eine Andacht stattfand.5 Damit wurde umgesetzt, was mit Zweck und Mitteln der Bruderschaft seit ihrer Einf\u00fchrung im Mittelalter verfolgt wurde. Als Hauptzweck galt das Heil der Seelen, zur Erreichung dazu die &#8222;Verbreitung der Christlichen Lehre bei der Jugend&#8220; und als Mittel dazu &#8222;Bruderschafts-Andachten zur Zusammenkunft und gemeinsamen Gebet, monatliche und halbj\u00e4hrliche Bruderschaften mit Empfang der hl. Sakramente.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"568\" height=\"952\" src=\"http:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-08_bruderbuch.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1453\" srcset=\"https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-08_bruderbuch.jpg 568w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-08_bruderbuch-179x300.jpg 179w\" sizes=\"(max-width: 568px) 100vw, 568px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"> <em>Die erste Seite des \u00e4ltesten Bruderschaftsbuches<\/em> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Regeln der Bruderschaft setzten aber auch einen deutlichen Akzent auf die sozialen Belange der Mitglieder. Diese &#8222;Bruderschaftshilfe&#8220; hatte ihren Ursprung m\u00f6glicherweise bereits im 16. und 17. Jahrhundert, in denen die Pest auch in unseren Breiten w\u00fctete. Krankheit und Tod waren in diesen Zeiten so h\u00e4ufig, dass die Hilfe des n\u00e4chsten dringend notwendig war. Wenn jemand Mitglied der Bruderschaft wurde, hatte er daf\u00fcr 8 Silbergroschen zu zahlen. &#8222;Dieses Geld kommt in die Kasse, um Kranke und notleidende Br\u00fcder davon zu unterst\u00fctzen oder sonst was notwendig ist, anzuschaffen&#8220;, hei\u00dft es an einer Stelle der Regeln. Mit der Krankenpflege befasst sich Punkt 3 der Regeln: &#8222;Wird ein Bruder krank, so bestellt der Brudermeister durch den Kerzenboten zwei Br\u00fcder, welche des Nachts bei dem Kranken wachen, ihn aufmuntern durch n\u00fctzliche Gespr\u00e4che oder durch fromme Gebete, so jede Nacht zwei andere, bis der Kranke wieder gesund ist.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Erkrankungen im ausgehenden 18. Jahrhundert sind eine Reihe von Aspekten zu ber\u00fccksichtigen. Ein Arzt war zu dieser Zeit in Oberkassel nicht ans\u00e4ssig. Arzneien waren teuer und unerschwinglich, zumindest aber in ihrer Wirksamkeit zweifelhaft. Neben einer guten Konstitution, durch die der Kranke sich selber helfen konnte, wurden Naturheilmittel oder bew\u00e4hrte Hausmittel von den Angeh\u00f6rigen verabreicht. Friseure waren als Bader t\u00e4tig, die zur Ader lie\u00dfen. Die hygienischen Verh\u00e4ltnisse erschwerten oft die Genesung. Der Ausfall der Arbeitskraft wog schwer und lie\u00df viele Rekonvaleszenten zu fr\u00fch wieder vom Krankenbett aufstehen. R\u00fcckschl\u00e4ge waren daher unvermeidbar. Interessant ist, dass die hier speziell ber\u00fccksichtigten Junggesellen nur selten vor dem 30. Lebensjahr heirateten.6 Vorraussetzung f\u00fcr die Heirat war die Schaffung der Ern\u00e4hrungsgrundlage f\u00fcr die junge Ehe und Familie. Die wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnisse zur Gr\u00fcndung eines eigenen Hausstandes konnten von den meisten vorher nicht geschaffen werden. Daraus wird deutlich, dass der Anteil der Junggesellen an der Gesamtbev\u00f6lkerung hoch war. Viele \u00e4ltere Junggesellen, deren Eltern verstorben waren und die allein oder ohne eigenen Hausstand bei Geschwistern oder Verwandten wohnten, konnten durch die Hilfe der Bruderschaft eine Krankheit wesentlich besser \u00fcberstehen. Die Familien, bei denen sie wohnten, konnten ebenfalls entlastet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>War ein Mitbruder verstorben, so bestimmt Punkt 5 der Regeln folgendes: &#8220; Wird ein Bruder beerdigt, so m\u00fcssen alle Br\u00fcder die Leiche mit begleiten, f\u00fcr die Seele beten und dem Seelenamt mit Andacht beiwohnen. F\u00fcr das Seelenamt geschieht ein Beitrag durch den Kerzenboten. Sollte aber einer der Beerdigung nicht beiwohnen, so muss er sich vorher bei dem Brudermeister entschuldigt haben, hat er dieses nicht, so muss er zur Strafe ein halbes Pfund Wachs zahlen, oder aber er wird ausgestrichen.&#8220; Die Verpflichtung zur Teilnahme am Begr\u00e4bnis verstorbener hatte zur Zeit der Gr\u00fcndung der Bruderschaft sicher einen anderen h\u00f6heren Stellenwert als heute. Ein w\u00fcrdiges Begr\u00e4bnis war der oft ausgesprochene Wunsch vieler damaliger Zeitgenossen. Dazu z\u00e4hlen einige Dinge, die heute selbstverst\u00e4ndlich sind, z.B. ein Sarg. Wir erfahren aus den Abrechnungen der Bruderschaft, aber auch aus denen der St. Sebastianus-Bruderschaft Oberkassel, dass sie \u00fcber eigene Totenladen verf\u00fcgten. Diese Lade war, anders als die Bahre, geschlossen, und man setzte sie zum Transport der Leiche vom Haus des verstorbenen zur Kirche und dann zum Friedhof ein, welcher meist direkt neben der Kirche lag. Aus der Lade, die an der Fu\u00dfseite aufklappbar war, wurde der Leichnam dann in das offene Grab bef\u00f6rdert.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Anfangszeit der Bruderschaft gab es regelm\u00e4\u00dfig j\u00e4hrlich mehrere Prozessionen durch den Ort. Hierzu sagt Punkt 7 der Regeln: &#8222;Wird ein Prozessionsgang gehalten, muss der Brudermeister nebst drei \u00e4lteren Br\u00fcdern den Himmel aus der Kirche bis zur ersten Station tragen, wo diese dann durch neue \u00e4ltere Br\u00fcder abgel\u00f6st werden, und diese Abl\u00f6sung geschieht fort, bis zur Beendigung der Prozession. Ebenso wird der Kerzenbote und der Fahnentr\u00e4ger an den Stationen abgel\u00f6st.&#8220; Die Prozession als feierlicher Umzug wurde als Dank- und Bittgang abgehalten. Dabei trug der Pastor die Monstranz, ein Gef\u00e4\u00df zum zeigen der Hostie. Der Pastor ging als einziger mit der Monstranz direkt unter dem Baldachin, was Traghimmel bedeutet und von der Bruderschaft abgek\u00fcrzt mit Himmel bezeichnet wurde. Es war Schutz vor Wind und Wetter, wenn die Prozession aus der Kirche auszog. An den vier Stationen waren Segensalt\u00e4re von der Bev\u00f6lkerung aufgestellt, und hier wurde mit der Monstranz der Segen erteilt. Die Prozessionen waren damals in Oberkassel \u00fcblich zu Fronleichnam, an Christi Himmelfahrt und Maria Himmelfahrt. Die zweitgenannte Prozession wurde 1857 eingestellt.7<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"607\" height=\"659\" src=\"http:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-09_stab.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1454\" srcset=\"https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-09_stab.jpg 607w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-09_stab-276x300.jpg 276w\" sizes=\"(max-width: 607px) 100vw, 607px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"> Der Bruderschaftsstab um 1800 <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Bei diesen Prozessionen wurden die geweihte Kirchenfahne und die Bruderschaftskerze mitgef\u00fchrt. Ebenfalls wurde der Bruderschaftsstab mitgetragen. Dieser Stab ist das \u00e4u\u00dfere Zeichen des Brudermeisters als Vorsteher der Bruderschaft. Er zeigt bei den Prozessionen gut sichtbar an, welche Seite vorbetet. Der bis heute unver\u00e4ndert gebliebene Brudermeisterstab kann als das \u00e4lteste Wahrzeichen gelten, dass die Bruderschaft besitzt. Er besteht aus einem Holzstab, auf dem ein ovales Aufsatzschild sitzt. Dieses Schild ist aus versilbertem Messing in Form eines Strahlenkranzes gearbeitet. Es tr\u00e4gt als Bekr\u00f6nung ein Kreuz, dessen Balken in Vierpr\u00e4sen enden. Auf dem Schild ist beidseitig ein nahezu identisches getriebenes Rahmenwerk aufgelegt. In diesem Rahmenwerk sind getriebene Reliefs eingef\u00fcgt. Das erste Relief zeigt Jesus, Maria und Josef, also das Patronat der Bruderschaft. Darunter erscheint in halbplastischem Relief die Halbfigur des hl. Sebastianus, des zweiten Pfarrpatrons der katholischen Pfarrgemeinde. Das zweite Relief auf der R\u00fcckseite zeigt die hl. C\u00e4cilia, die Kirchenpatronin, mit einer kleinen Orgel. Die Ornamentformen lassen sich als Elemente des Rokoko und des Empire deuten, und die Entstehung des Brudermeisterstabes wird auf die Zeit um 1800 datiert.8 Die Eintragungen im Bruderschaftsbuch begr\u00fcndete nicht nur die Rechte, sondern auch Pflichten. Hier bestimmen die Punkte 1 und 2 der Regeln bereits, wer der halbj\u00e4hrlichen Bruderschaft (Versammlung) nicht beiwohnt oder den Opfergang an bestimmten Tagen nicht h\u00e4lt, &#8222;zahlt zur Strafe ein Viertel Pfund Wachs&#8220;. Dieses Wachs diente der Kirche nicht nur zur Versch\u00f6nerung des Altars, sondern war auch f\u00fcr die allgemeine Beleuchtung notwendig. Das Hergeben von Wachs entsprach wohl einer heutigen Geldstrafe. Wenn sich aber ein Mitglied eines groben Versto\u00dfes schuldig gemacht hatte, bestimmten die Regeln unter Nr. 8 : &#8222;Jeder muss den Vorstehern der Bruderschaft in Allem was recht ist Gehorsam leisten. Wer aber widerspenstig und streits\u00fcchtig ist, wird von den Vorstehern der Bruderschaft im Beisein zweier \u00e4lterer Br\u00fcder freundlich ermahnt, sich zu bessern. Bessert er sich nicht und achtet auch auf der Ermahnung nicht, so wird er als ein unw\u00fcrdiges Mitglied aus der Bruderschaft gestrichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenden wir uns den Menschen zu, die 1794 die Bruderschaft gr\u00fcndeten oder ihr Mitglied wurden. Pfarrer Jacob Anton Wirz, der Gr\u00fcnder der Bruderschaft, wurde am 7.2.1749 in Z\u00fclpich-Oberelvenich, als Sohn des Johannes Peter Wirz und seiner Frau Elisabeth, geborene Wollersheim, geboren. Am 27.3.1773 wurde er vom damaligen K\u00f6lner Weihbischof Karl Aloys Graf von K\u00f6nigsegg-Aulendorf zum Priester geweiht. Er wurde Vikar des St. Sebastianus-Altars in der Pfarrkirche Elsdorf-Niederembt, danach Subsidiar in Vilich. Die Vilicher \u00c4btissin Maria Josepha Zandt von Merle pr\u00e4sentierte ihn als Pfarrer in als Pfarrer in Oberkassel. Laut Generalvikariatsprotokoll vom 5.3.1789 wurde er als Pastor in Oberkassel approbiert. Er wurde dann am 12.3.1800 als Pastor in Asbach eingef\u00fchrt. Im Alter von 84 Jahren, nach 60 Priesterjahren, verstarb er am 14.8.1833 als Pfarrer in Asbach.9<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"632\" height=\"917\" src=\"http:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-10_bruderbuch.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1455\" srcset=\"https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-10_bruderbuch.jpg 632w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-10_bruderbuch-207x300.jpg 207w\" sizes=\"(max-width: 632px) 100vw, 632px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"> Verzeichnis der Mitglieder im \u00e4ltesten Bruderschaftsbuch <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Johann Bertram Richarz war der erste Brudermeister der neu gegr\u00fcndeten Bruderschaft. Er wurde am 8.4.1763 als drittes Kind des Hermann Richarz und seiner Ehefrau Barbara, geb. Thomas geboren. Er heiratete am 4.10.1798 die A. Catherina Hambitzer und verzog nach K\u00fcdinghoven. Sein Vater wurde am 21.5.1730, seine Mutter am 18.7.1734 in Oberkassel geboren. Richarz stammte also aus zwei alten Oberkasseler Familien, deren Namen heute noch im Ort vertreten sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Im \u00e4ltesten Bruderschaftsbuch befindet sich ein Mitglieder-verzeichnis, das von der Nr. 1 bis 598 die Namen der Bruderschaftsmitglieder enth\u00e4lt. Die Eintragungen gehen bis in die zwanziger Jahre dieses Jahrhunderts. Neben dem Namen ist in diesem Buch festgehalten, wann der Betreffende eingeschrieben wurde und wann er Brudermeister, Fahnentr\u00e4ger oder Kerzenbote war. In der Spalte &#8222;Besondere Eintragungen&#8220; ist meist vermerkt, dass ein Mitglied geheiratet hat und somit ausgeschieden ist. War ein Mitglied verstorben, so ist festgehalten, ob es mit der Bruderschaft beerdigt wurde. Einige wenige Vermerke weisen darauf hin, dass man auch von dem Satzungsm\u00e4\u00dfigen Ausschluss Gebrauch gemacht hat. Die Anmerkung lautet dann, &#8222;ausgestrichen wegen schlechten Betragens&#8220; oder &#8222;wegen nicht bezahlen ausgestrichen&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1280\" height=\"678\" src=\"http:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-11_Oberkassel-1280x678.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1456\" srcset=\"https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-11_Oberkassel-1280x678.jpg 1280w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-11_Oberkassel-300x159.jpg 300w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-11_Oberkassel-768x407.jpg 768w, https:\/\/www.jmj-online.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Seite-11_Oberkassel.jpg 1306w\" sizes=\"(max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"> <em>Blick vom Ennert auf Oberkassel<\/em> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Unter den ersten Mitgliedern der Bruderschaft finden wir viele heute noch vorhandene Oberkasseler Familiennamen, wie z.B. Arenz, Bauer, Dahm, Harffen, Heinen, Hombitzer, Koch, Lohmar, Nolden, Richarz, R\u00f6nz, Thomas, Uhrmacher, Werner und andere. Von einigen Mitgliedern wissen wir mehr, als nur die Namen. Der als 21. Mitglied aufgef\u00fchrte Bartholom\u00e4us (Barthel) Richarz, eingeschrieben seit 1795, war im Jahre 1800 Brudermeister. Er heiratete Maria Christina Roersch und war 1817 P\u00e4chter des Berghoves, den er 1810 vom Grafen Salm gepachtet hatte.10 Dieser Barthel Richarz verewigte sich und seine Ehefrau sowie eine Anzahl von Freunden 1826 als Mitstifter der neuen Bannglocke, die alte war 1822 durch Blitzschlag zerst\u00f6rt worden. Barthel Richarz war damals Vorsitzender des Kirchenvorstandes.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Unter der Mitgliedsnummer 7 ist Adolf Rhein eingetragen. Im Jahre 1798 war er Brudermeister. Sein Geburtstag war der 25.3.1773. Er heiratete am 12.2.1804 Adelheid Fr\u00f6hlich. Sein Beruf wird 1804 mit Lohgerber und 1805 mit Fellbereiter angegeben. Er wohnte von 1804-1817 im Haus Nr.5 in Oberkassel und war 1814 Sekret\u00e4r des Kirchenvorstandes, dessen Pr\u00e4sident Barthel Richarz war. Auch sein Name steht in der 1826 gestifteten Bannglocke. Im Jahre 1824 wird er zum Schulvorstand berufen. Als 1814 der Landsturm aufgestellt wurde, finden wir Adolf Rhein im Banner Oberkassel als Oberleutnant.<\/p>\n\n\n\n<p>Werfen wir einen kurzen Blick auf Oberkassel, wie es sich vor 200 Jahren darstellte. Der Kern des Dorfes Oberkassel erstreckte sich auf den Bereich entlang der heutigen K\u00f6nigswinterer Stra\u00dfe ab Jakobstra\u00dfe, s\u00fcdlich bis zur Basaltstra\u00dfe und der Zipperstra\u00dfe bis Meerhausen. Daneben gab es die sogenannten Honschaften Hosterbach, B\u00fcchel, Berghoven und Broich, die um die H\u00f6fe Zissendorfer Hof, M\u00f6nchsfof und Berghof entstanden Waren. Au\u00dfer den genannten H\u00f6fen waren noch der Buschhof (Bischofshof) nahe der katholischen Kirche und der Bernsauerhof, unterhalb der neuen evangelischen Kirche dem Rhein zu gelegen, vorhanden. Es ist f\u00fcr sp\u00e4tere Kapitel dieser Chronik wichtig, grundlegende Ver\u00e4nderungen in der Heimat deutlich zu machen. Von 1794 &#8211; 1814 w\u00e4hrte die sogenannte Franzosenzeit, die Zeit franz\u00f6sischer Herrschaft auch in Oberkassel. Besonders einschneidend war die S\u00e4kularisation, in deren Auswirkungen z.B. einige der genannten H\u00f6fe vom F\u00fcrsten Salm-Reifferscheidt \u00fcbernommen wurden, also der vormals geistlichen Herrschaft entzogen wurden. Ab 1807 &#8211; 1810 wurden die H\u00f6fe nur noch aus \u00f6konomischen Gr\u00fcnden betrieben, was nicht ohne Auswirkungen auf die Arbeitsstruktur der Gemeinde Oberkassel blieb.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zugeh\u00f6rigkeit Oberkassels zum Herzogtum Berg bestand von 1484 &#8211; 1806. Infolge der Rheinbundakte endete das heilige R\u00f6mische Reich Deutscher Nation 1806. Eine von Napoleon verk\u00fcndete Gebietsreform setzte Oberkassel als eine von vier Mairien (B\u00fcrgermeistereien) im Kanton K\u00f6nigswinter ein. Zu der Mairie Oberkassel geh\u00f6rten auch Ober- und Niederdollendorf sowie Heisterbacherrott. Der erste Maire (B\u00fcrgermeister) war seit 1809 Caspar Anton Rennen. Bis 1813 stand Oberkassel unter franz\u00f6sischer Herrschaft. Durch den Wiener Kongre\u00df wurde der gr\u00f6\u00dfte teil des Rheinlandes , darunter auch das Herzogtum Berg, dem preu\u00dfischen K\u00f6nigreich zugesprochen. Oberkassel wurde 1815 Sitz einer preu\u00dfischen Landb\u00fcrgermeisterei, und zwar f\u00fcr die Gemeinden Oberkassel, Oberdollendorf, Niederdollendorf und Heisterbacherrott. Der erste B\u00fcrgermeister hie\u00df Daniel von Weise, der seinen Amtssitz in Niederdollendorf auf der Longenburg hatte. 670 Einwohner hatte Oberkassel im Jahre 1810. Im Jahre 1817 waren es 678, also kaum eine Zunahme, was sicherlich auf die Kriegs- und Besatzungszeit zur\u00fcckzuf\u00fchren ist.11 Alles zusammengenommen, n\u00e4mlich die Besatzungszeit durch die Franzosen, die Strukturver\u00e4nderungen durch die S\u00e4kularisation, die neue Zugeh\u00f6rigkeit Oberkassels als zur Landb\u00fcrgermeisterei aufgestiegene Gemeinde zum K\u00f6nigreich Preu\u00dfen leisteten einer Entwicklung Vorschub, die f\u00fcr die Bruderschaft nicht ohne Folgen blieb.<\/p>\n\n\n<ol class=\"wp-block-footnotes\"><li id=\"c6485bc9-66a5-4a9d-b07b-439d426ee8af\">Im nachfolgenden Text der Chronik wird die Jesus-Maria-Josef Junggesellen-<br>Sch\u00fctzenbruderschaft Bonn-Oberkassel 1794 der Einfachheit halber nur mit Bruderschaft<br>bezeichnet. Wenn andere Bruderschaften erw\u00e4hnt werden, so werden diese mit ihrem vollen<br>Titel genannt. <a href=\"#c6485bc9-66a5-4a9d-b07b-439d426ee8af-link\" aria-label=\"Zur Fu\u00dfnotenreferenz 1 navigieren\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"4a07c278-a1a8-4796-aaf7-3b9a78356eb7\">Siehe Bild von der ersten Seite des Bruderschaftsbuches und den im Anhang<br>wiedergegebenen Text. <a href=\"#4a07c278-a1a8-4796-aaf7-3b9a78356eb7-link\" aria-label=\"Zur Fu\u00dfnotenreferenz 2 navigieren\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"d9388c87-c6db-47e1-a5a4-8020fc7b602f\">Siehe hierzu die Ausf\u00fchrungen im Abschnitt St. Sebastianus Bruderschaft Oberkassel 1662 . <a href=\"#d9388c87-c6db-47e1-a5a4-8020fc7b602f-link\" aria-label=\"Zur Fu\u00dfnotenreferenz 3 navigieren\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1794 &#8211; 1818 Das Gr\u00fcndungsjahr der Jesus-Maria-Josef Junggesellen-Sch\u00fctzenbruderschaft ist 1794. Es ist nat\u00fcrlich von Interesse, wie das Gr\u00fcndungsjahr belegt ist. Das \u00e4lteste vorliegende Bruderschaftsbuch beginnt mit den Worten: &#8222;Regeln der hochl\u00f6blichen Jesus-Maria-Josef Bruderschaft zu Obercassel, aufgerichtet im Jahre 1794 durch &hellip; <a href=\"https:\/\/www.jmj-online.de\/?page_id=82\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":73,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":"[{\"content\":\"Im nachfolgenden Text der Chronik wird die Jesus-Maria-Josef Junggesellen-<br>Sch\u00fctzenbruderschaft Bonn-Oberkassel 1794 der Einfachheit halber nur mit Bruderschaft<br>bezeichnet. 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